Aus der Ohlmüllerstraße in der Au werden regelmäßig Übergriffe gemeldet. © Oliver Bodmer
Es brodelt in der Au. Anwohner und Geschäftsinhaber in der Gegend Reichenbachbrücke/Ohlmüllerstraße klagen über Probleme mit Alkohol, Gewalt und Drohungen. „Die Gewalttätigkeit hat zugenommen“, sagt ein Ladeninhaber. Aus Angst will er seinen Namen nicht nennen – wie die anderen vier, die mit unserer Zeitung reden. „Die gehen hier zugedröhnt lang, kaufen sich Alkohol und machen hier so ein Fass auf auf der Straße – tagsüber, abends, nachts!“
Die – damit meinen sie Männer, die meistens im nahgelegenen Park entlang der Isar trinken. Die Gegend ist seit Jahren ein bekannter und berüchtigter Drogenumschlagplatz. In den Büschen: überall Müll, Scherben, Kronkorken, Schnapsflaschen. Dass so etwas in der Großstadt vorkommt, ist den Menschen in der Au klar – aber die Probleme aus dem Park schwappen jetzt in ihre Gegend über, sagen sie – und das schon seit einiger Zeit.
Viele Viertelbewohner haben dazu etwas zu erzählen: „Vor zwei Jahren kam einer mit einer abgebrochenen Flasche auf mich zu“, sagt einer. „Zu einer Frau haben sie gesagt: ‚Hast du Lust zu f…?‘“, sagt ein anderer. Ein Dritter berichtet: „Ein Ladeninhaber hat sich sogar schon mit einem von denen auf der Straße geprügelt.“ Eine Geschäftstreibende erzählt: „Vor eineinhalb Jahren stand einer in meinem Geschäft und sagte: ‚Ich komme mit meinen Freunden wieder, dann vergewaltigen wir dich und stellen den Laden auf den Kopf.‘“ Vor einer Woche habe sie auch eine Spritze vor dem Eingang gefunden. Ein Kollege ebenso.
Anwohner und Geschäftsleute haben sich beim Kreisverwaltungsreferat und der Polizei beschwert. Aktuell sammeln sie Unterschriften in der Gegend. Rund 60 sind schon zusammengekommen. Ihre Forderung: „Wir brauchen Polizeistreifen und Razzien, damit wir hier unsere Geschäfte in Ruhe führen können. Die sollen uns endlich Frieden bringen. Wir wollen unsere Ruhe!“
Dass mehr Polizei hilft, habe sich letztes Jahr gezeigt, sagt eine Ladeninhaberin: „Letztes Jahr war es schon richtig extrem. Dann kam die Polizei, und das hat geholfen. Aber dieses Jahr ist es wieder schlimm, vielleicht so schlimm wie nie.“ Doch wenn sie jetzt die Polizei rufe, „heißt es mal: Wir haben Sommer – oder: Wir haben gerade keinen Streifenwagen. Da fühlen wir uns nur noch verarscht. Für so etwas zahlen wir keine Steuern.“
Auf Anfrage beteuern Stadt und Polizei: Wir kümmern uns. Polizeisprecher Christian Drexler: „Wir können in dieser Gegend zwar keinen Anstieg der Straftaten feststellen, dennoch ist das subjektive Sicherheitsempfinden sehr wichtig. Schon 2025 haben wir unsere Präsenz erhöht. Wir nehmen die aktuelle Beschwerde sehr ernst und werden uns mit der Stadt über das weitere Vorgehen beraten.“
Eine KVR-Sprecherin ergänzt: „Dazu findet bereits ein Austausch mit der Polizei statt, um die Situation umfassend zu bewerten und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zu ergreifen.“THOMAS GAUTIER