Drogenhölle im Zentrum

von Redaktion

Die gefährlichsten Plätze – Was Anwohnern Angst macht

Klagt über die Zustände: Souha Nifer.

Der Nußbaumpark gilt als Hotspot in der Drogen- und Trinkerszene. Die Folge: immer wieder Polizeieinsätze. © Oliver Bodmer (2)

Wilde Gelage, Lärm, Müll, Alkohol und Drogen. Die Situation im Nußbaumpark spitzt sich immer mehr zu. In der jüngsten Bezirksausschuss-Sitzung schilderten Anwohner die Zustände in dem Brennpunktpark am Sendlinger-Tor-Platz.

Schon morgens seien der Park und das Rondell an der St.-Matthäus-Kirche von großen Gruppen trinkender Dauerbesucher frequentiert, berichtete ein Anwohner in der Sitzung. „Ich gehe wirklich sehr ungern dort vorbei, man wird schnell angepöbelt und fühlt sich belästigt“, so der Bürger. „Besonders schlimm ist es aber nachts. Ich kann gar nicht mehr mit offenem Fenster schlafen. Jede Nacht höre ich laute Hilferufe aus dem Park, in dem zahlreiche Personen übernachten.“

Die stellvertretende BA-Chefin Barbara Turczynski-Hartje (SPD) sprach von rund 60 Personen, die nachts im Park in regelrechten Camps schliefen – Wanderarbeiter, die tagsüber auf Baustellen arbeiteten. Frühmorgens kämen die sogenannten Stammsteher in den Park, „die aus ihren kleinen Wohnungen fliehen, um gemeinsam zu trinken“. Ständig gebe es aggressiven und lauten Streit um Alkohol. Dazu kämen die Drogensüchtigen. Besonders Crack mache diese völlig unberechenbar.

Der Nußbaumpark steht im Fokus der Polizei, es gibt dort eine offene Drogenszene. Doch jetzt scheint die nächste Eskalationsstufe erreicht. Optikerin Souha Nifer vermutet, dass die Großbaustelle im Hauptbahnhof mit ein Grund für die Zuspitzung der Lage im Nußbaumpark sei. „Es wird am helllichten Tag vor meiner Tür gedealt. Die Leute kommen volluriniert und vollgekotzt in meinen Laden. Einer hat sich letzte Woche meine Brillen in die Taschen gestopft. Er war so zugedröhnt, dass er gar nicht gemerkt hat, dass er beobachtet wird.“ Die 29-Jährige schmiss den Mann raus. „Ich bin abgehärtet. Aber schön ist das hier nicht. Und es ist geschäftsschädigend.“ Sie erzählt, dass wegen der Zustände bereits Kunden ausblieben. „Sie haben Angst.“

„Mir wurden Schläge angedroht“, berichtet ein Geschäftsmann in der Nachbarschaft, der anonym bleiben will. Im Park seien sämtliche harte Drogen im Umlauf – Crystal Meth, Heroin, Kokain. An den Gestank von Urin vor seiner Tür hat er sich schon gewöhnt. Doch letzten Samstag kam es noch übler: menschlicher Kot vor seiner Ladentür. Dem Anlieger stinkt es gewaltig: „Ich habe alles ans KVR geschrieben. Es ist alles aktenkundig, aber es interessiert sich keiner dafür!“

Der Wunsch der Betroffenen ist einhellig: Die Polizei soll durchgreifen – Videoüberwachung, Alkoholverbot, verstärkte Kontrollen; ähnlich wie im Alten Botanischen Garten.

Den Behörden sind die Probleme bekannt. Man führe im Nußbaumpark „regelmäßig gezielte Maßnahmen durch, darunter Konzept- und Schwerpunkteinsätze“, teilt die Polizei auf Anfrage mit und bestätigt, dass sich im Bereich des Nußbaumparks „insgesamt eine steigende Tendenz von Delikten erkennen“ lasse. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass „intensivierte Schwerpunkteinsätze“ auch zu höheren Fallzahlen führen könnten.

Die Taskforce Bahnhofsviertel beschäftigt sich laut KVR „intensiv“ mit dem Nußbaumpark, der wegen seiner zentralen Lage und der guten Anbindung „für Szeneangehörige gute Aufenthaltsmöglichkeiten“ biete. Zahlreiche Maßnahmen seien bereits getroffen worden – darunter bessere Beleuchtung, Erhöhung des Reinigungszyklus und eine „intensive Präsenz“ von Polizei und Kräften des Kommunalen Außendiensts (KAD). Polizeiliche Videoüberwachung gibt es im Nußbaumpark nicht. Voraussichtlich Ende Juli befasst sich der Kreisverwaltungsausschuss mit einem neuen Maßnahmenpaket für den Nußbaumpark.BETTINA ULRICHS, DANIELA POHL

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