Wenn ich in das Land meiner Lieblingsfrucht bzw. meines Lieblingsgemüses reisen möchte, dann müsste ich mich auf den Weg nach Südamerika machen. Dazu ist eine Woche Urlaub nicht ausreichend, aber ich hätte mit Italien eine gute Alternative. Sie haben es bestimmt schon erraten, dass es sich um die Tomate handelt. Ich liebe sie in allen Varianten, nicht nur, weil Rot meine Lieblingsfarbe ist. Aber anscheinend bin nicht nur ich Fan, weil 26 Prozent des gesamten Gemüseverbrauchs in Deutschland auf die rote Frucht fallen. Frucht ist ja vielleicht gar nicht richtig. Botaniker sehen sie schon als Obst. Aus deren Sicht gehören sie zur Gruppe der Beeren, weil sie nämlich auch aus der Blüte der Pflanzen entstehen und Samen enthalten. Zubereitet werden sie aber eher wie Gemüse. Da sind sie überwiegend in der herzhaften Küche zu finden. Selbst wenn man Tomatenmarmelade macht, dann ist das kein süßer Brotaufstrich. Es gibt ein ganz wunderbares Zitat von Miles Kingston über die Tomate: „Wissen ist, zu wissen, dass die Tomate eine Frucht ist. Weisheit ist, sie nicht in den Obstsalat zu geben.“
Gerne kaufe ich die roten Früchtchen direkt auf einem Markt in Italien ein. In unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Was gibt es Besseres, als eine Tomate aufzuschneiden, sie auf ein gutes Butterbrot zu legen und frische Kräuter darüberzugeben? Fast nix! Zubereitet dann gerne mit einer Burrata, die wie eine Königskugel in der Mitte thront, oder einfach nur als Salat (in Eimergröße) mit viel Zwiebel, in ein Omelett geschnitten, und natürlich als Soße, in der sich die Spaghetti wohlig „suhlen“ und ab und zu einen Spritzer als kleine Erinnerung auf der Kleidung hinterlassen. Und wenn es der Nudel gut geht, dann mir ebenso. Das liegt nicht nur an der Teigware, sondern auch daran, dass Tomaten generell sehr gesund sind. Sie haben kaum Kalorien, weil sie zu 94 Prozent aus Wasser bestehen, aber trotzdem einiges an Nährstoffen zu bieten. Den Spruch „Tomaten auf den Augen haben“ könnte man noch ganz anders deuten, nämlich positiv, weil Beta-Carotin wichtig für die Sehkraft ist. Das wäre dann auch noch eine „Anwendung“ von außen.
Sollte ich mal mehr über den Goldapfel (so wird „pomodoro“ übersetzt) wissen wollen, dann könnte ich das in zwei Museen. Das eine ist im Norden in Staufenberg und nur wenige Kilometer mehr, aber gen Süden ist das andere nahe Parma. Da fiele mir die Entscheidung nicht sehr schwer, passt Parmaschinken doch auch perfekt als „Umarmung“ für eine Tomate. Bis ich wieder auf einem italienischen Mercato einkaufe, kaufe ich meine „Lieblinge“ auch gerne auf einem der Münchner Wochenmärkte. Da gibt es nämlich einige, die sich direkt aus Bella Italia beliefern lassen. Und schon habe ich wieder Urlaub auf dem Teller.