Emanuel R. (24) wurde wegen Totschlags verurteilt. © S. JANTZ
Seine Augen starren geradeaus, die Schultern hängen schlaff herab. Als das Urteil gesprochen wird, zeigt Emanuel R. (25) keine Regung. Für insgesamt elf Jahre muss der Handwerker ins Gefängnis, weil er seine Stiefmutter Ivka P. niedergemetzelt hatte. 70 Mal stach R. im Juni 2025 auf die Rentnerin ein – und nahm seinem Vater die Frau. In ihrer Wohnung in der Romanstraße war es zum tödlichen Streit gekommen. Ivka P. habe den Stiefsohn oft heruntergemacht – er aber überempfindlich reagiert, erklärte Richter Michael Schönauer die Frage, wie es zu der schrecklichen Tat kommen konnte. Zeugen berichteten von „katastrophalen familiären Zuständen“. Mit der Stiefmutter lag Emanuel R. seit Jahren über Kreuz – und gierte nach der Gunst des Vaters, den er bei der Tat noch wegschob, um Ivka P. zu töten. Dafür schloss er sie eiskalt in der Küche ein.
Doch muss Emanuel R. nicht wegen Mordes ins Gefängnis. Schönauer verurteilte ihn nur wegen Totschlags. Unter Tränen verfolgten Angehörige das Ende der wochenlangen Verhandlung. Doch nicht alle hatten Platz im Gerichtssaal. Die Bedingungen im neuen Strafjustizzentrum, das für 434 Millionen Euro am Leonrodplatz gebaut wurde, sind schwierig. Nur 14 Sitzplätze gab es überhaupt für Zuschauer – bei Mordprozessen wie diesem ein enormes Problem. Zwar wurden noch eilig Stühle geholt, doch die provisorische Situation ließ nur begrenzte Sicherheit zu: So saßen Zuschauer dann etwa vier Meter von dem Totschläger entfernt – ohne irgendeine Barriere. „Ich entschuldige mich für das eingeschränkte Platzangebot“, sagte der Richter und wirkte ratlos. Denn „viele Erweiterungsmöglichkeiten gibt es im Gebäude leider nicht“.THI