Ein tropfender Wasserhahn. © Patrick Pleul/dpa
Die Grafik zeigt, woher München das Trinkwasser bezieht und wie es in die Stadt kommt. © SWM
Zwei Münchner suchen Abkühlung im Stachusbrunnen. Er läuft trotz Sparmaßnahmen weiter, weil es sich bei ihm um ein geschlossenes System handelt. © Sven Hoppe/dpa
München trocknet aus. Gießen oder Autowaschen ist deshalb verboten. Wer’s doch tut, riskiert Bußgelder. Aber ist das wirklich nötig? Und was droht noch? Die wichtigsten Fragen.
Was ist eigentlich das Problem?
Die Lage ist ernst, heißt es intern bei den Stadtwerken München (SWM). Das Problem: 16 Monate hat es zu wenig geregnet, es gab zu wenig Schnee. Zu wenig Wasser ist versickert. Die Quellen für das Trinkwasser speisen sich nicht mehr ausreichend. Aktuell ist es offenbar so, dass wir mehr entnehmen, als frisch zugeführt wird. Dort sollen die Sparmaßnahmen ansetzen. Man möchte wieder dahin kommen, dass Entnahme und Zufluss sich ungefähr die Waage halten. Ideal wäre, dass mehr rein- als rauskommt.
Aber: Es müsste über einen großen Zeitraum relativ viel regnen und (später) schneien, um diesen Status wieder zu erreichen – wohl um die 16 Monate. Der Regen, der in den nächsten Tagen angesagt ist, kann das nicht auffangen. Viel wird verdunsten, Pflanzen nehmen sich auch ihren Teil, bevor das Wasser überhaupt das Grundwasser erreicht.
Haben wir noch Reserven?
Es gibt Reserven im Oberland. Aber: Die Stadt darf dort nicht unendlich viel Wasser entnehmen, die Mengen sind gesetzlich geregelt. Und es hat auch niemand ein Interesse daran, diese Regionen quasi trocken zu pumpen. Ziel ist dort eine langjährige, nachhaltige Wasserversorgung.
Wie ist die Lage aktuell in den Gebieten, aus denen München sein Wasser bezieht?
Der Leiter des Wasserwirtschaftsamts München, Stefan Homilius, erklärt: „München bezieht sein Wasser zum größten Teil aus dem Mangfall- und Loisachtal“ (siehe Karte). Er warnt: „Die Lage dort ist angespannt. Es hat sehr, sehr wenig geregnet, auch schon im Winterhalbjahr und im vergangenen Jahr. Dazu ist der Bedarf an Trinkwasser in der heißen Wärmeperiode gestiegen. Das alles führt zur allgemein angespannten Lage.“ Laut dem Niedrigwasserinformationsdienst Bayern haben dutzende Grundwasserstände im Oberland sogar neue Niedrigstwerte erreicht.
Haben wir bald kein Trinkwasser mehr?
„Das Trinkwasser wird uns nicht ausgehen“, so Stefan Homilius. Darauf werde geachtet, etwa durch die Sparmaßnahmen. „Wichtig ist, dass wir jetzt Wasser nicht verschwenden und damit bewusst umgehen.“
Die Verbote gelten seit Dienstag. Haben sie schon gewirkt?
Das ist bislang noch unklar. Laut SWM-Sprecher lag der Verbrauch vor den Verboten noch bei rund 370 Millionen Litern am Tag. Am Dienstag habe der Gesamtverbrauch am Ende unter 340 Millionen Litern gelegen. Aber: Der Durchschnitt liegt bei 300 Millionen Litern am Tag. Das sind rund 200 Liter pro Münchner.
Darf ich die Blumen auf meinem Balkon noch gießen?
„Ja, Balkone dürfen weiter bewässert werden“, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Gut für die Münchner, die keinen Garten haben. Der Wassersparappell gelte aber auch für sie. Man sollte grundsätzlich morgens oder abends gießen, damit so wenig Wasser wie möglich verdunstet.
Wer verbraucht gerade so viel Wasser?
Laut SWM-Sprecher sind rund zwei Drittel der Wassernutzung privat – dass in diesem Bereich gespart wird, ist also entscheidend. Wofür Wasser genau genutzt wird, erfassen die Stadtwerke nicht. Laut Sprecher geht man aber davon aus, dass während der vergangenen Hitzeperiode besonders viel Wasser zum Trinken und für die Bewässerung gebraucht wurde.
Werden bald die Freibäder geschlossen?
Erst mal nicht. „Derzeit gibt es keine Überlegungen dazu“, sagt ein Stadtwerke-Sprecher. „Freibäder sind wichtig zur Abkühlung.“
Können wir nicht einfach mehr Wasser zapfen? Haben wir vielleicht zu wenig Rohre im System?
„Die Infrastruktur ist nicht der limitierende Faktor“, sagt der SWM-Sprecher dazu. Entscheidend sei zum einen die Verfügbarkeit aus den Wassergewinnungsgebieten. „Und zweitens sind wir bei der Wassergewinnung aufgrund der bestehenden wasserrechtlichen Vorgaben an unseren Grenzen angekommen.“
Wie können wir in Zukunft mehr Wasser sparen?
Laut Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) müssen wir vor allem Regen besser speichern. Es sei wichtig, Wasser wieder gezielt in Flächen zu halten, auch in Städten, nach dem Prinzip der sogenannten Schwammstadt, sagte Schneider. „Also kurz gesagt: Mehr Grün, weniger Beton heißt mehr Speicherung.“ Für ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff reichen Verbote auf Dauer nicht. „München braucht endlich ein langfristiges Wassersparkonzept, das dauerhaft zu einem bewussteren Umgang mit unserer wichtigsten Ressource führt.“T. GAUTIER, S. KAROWSKI