Zwei schwere Fälle von Schwerkraft sind kürzlich wieder in Milbertshofen gemeldet worden. Da hat die Sabine am Balkon Wäsche aufgehängt, aber leider hat sich das Klupperl als wenig effizient erwiesen. Eine der sabinischen Unterhosen ist runtergeflogen, hat sich aber auf einen Blumenkasten retten können, und zwar bei einem jüngeren, alleinstehenden Nachbarn, von dem die Sabine nun hofft, dass er das nicht als komische Anwanzung interpretiert. Das Kleidungsstück war rot und die Eigentümerin einerseits sehr beschämt, aber immerhin froh, dass es noch recht neu war.
Leider ist der Nachbar seit geraumer Zeit etwas scheu der Sabine gegenüber, denn sie hat sich mal einerseits beschwert und andrerseits besorgt, weil der junge Herr mal in einer Nacht recht konfus herumgebrüllt hat, sei es wegen Drogen oder im Rahmen einer Theaterübung, man wird es nie erfahren. Jedenfalls war es laut und unangenehm für die Anrainerin, das psychopathische Potenzial im Haus so deutlich vorgeführt zu bekommen. Der junge Mann hat im Nachhinein dann wahre Pfiffigkeit bewiesen, indem er einfach nicht mehr grüßt. Trotzdem leidet die nachbarschaftliche Verbindung seit der Brüll-Episode an einem gewissen Mangel an Leichtigkeit, und die Sabine hat wenig Lust gehabt, bei dem Deppen zu klingeln und die Herausgabe ihrer Unterhose zu beantragen. Weil er aber offenbar sowieso grad im Urlaub war, wurde die Lösung vertagt und die Hose blieb, wo sie war.
Fast zeitgleich hat die Schwerkraft übrigens am parallelen Balkon zugeschlagen. Einer jungen Dame ist erklärtermaßen „die Füllung von meinem BH runtergefallen“. Die Formulierung war für die Sabine zunächst missverständlich und sie wollte sich das lieber nicht genauer bildlich vorstellen. Aber die Faktenlage hat sich dann als harmlos herausgestellt: Zwei textile Polster sind neben den Radln im Hof gelandet und haben so – ohne BH – viel unverfänglicher ausgesehen als zum Beispiel der Sabine ihre Unterhose. Wie man in Milbertshofen künftig versuchen will, diese ewigen Probleme mit der Schwerkraft besser in den Griff zu bekommen, ist momentan noch unklar. Eine Woche später hing jedenfalls am Knauf von Sabines Wohnungstür die rote Unterhose. Wortlos. Aber was sollte sie auch sagen?