Zuletzt war in den Räumen des Zerwirkgewölbes der Club Crux untergebracht. Laut Fresko auf der Südseite (Foto re.) wurde das Haus im Jahr 1264 erbaut. © sigi jantz, privat
Satire-Aktion mit Torte: Florina Vilgertshofer und Elke Gaber vom Münchner Forum feiern den siebten Leerstands-„Geburtstag“ vor dem Zerwirkgewölbe. © Marcus Schlaf, sigi jantz
Es zählt zu den ältesten Gebäuden Münchens und ist über 750 Jahre alt. Der Putz des Zerwirkgewölbes in der Ledererstraße bröckelt, der Bau ist marode. Seit sieben Jahren steht das Münchner Ur-Haus leer. Der Eigentümer, der Freistaat Bayern, will die Immobilie veräußern.
Diese Pläne und der jahrelange Leerstand sorgen seit Längerem für Kritik. Zum siebten „Jubiläum“ des Leerstands machte das Münchner Forum, ein Verein für Bürgerbeteiligung, gestern mit einer Aktion auf die Situation aufmerksam. An einem Infostand am Zerwirkgelände verteilten die Beteiligten Flugblätter und präsentierten einen satirischen Jubiläumskuchen.
Während in der Innenstadt bezahlbare Räume für Kleingewerbe, Kultur oder soziale Zwecke fehlten, passiere hier seit Jahren nichts, kritisiert Mitorganisatorin Florina Vilgertshofer. „Das Zerwirkgewölbe ist ein Juwel in der Innenstadt, das verfällt.“ Der geplante Verkauf sei ein weiteres Beispiel für die Privatisierungspolitik des Freistaats. Immer wieder sind Verkaufsabsichten für öffentliche Gebäude bekannt geworden – zuletzt beim alten Strafjustizzentrum. Stattdessen solle der Freistaat das historische Gebäude in der Innenstadt selbst sanieren und anschließend an gemeinnützige Träger vermieten oder verpachten, fordert Vilgertshofer.
Der Freistaat verteidigt die Pläne: Eine Machbarkeitsstudie habe gezeigt, dass für eine „staatliche Nutzung des Gebäudes“ kein Bedarf bestehe, heißt es vom Immobilienverwalter des Freistaats Bayern, der Imby. Gleichzeitig habe sie gezeigt, dass sich das Zerwirkgewölbe nach einer umfassenden Sanierung vielfältig nutzen lasse – zum Wohnen, als Büro oder für Kultur. Der Freistaat wolle deshalb möglichst einen Käufer finden, der das Zerwirkgewölbe künftig „für die Öffentlichkeit bestmöglich“ erhalte. Eine solche Lösung benötige Zeit, so die Imby.
Derzeit fänden Gespräche mit Interessenten statt, heißt es. Eine Anfrage im Bayerischen Landtag hat heuer ergeben, dass der Freistaat mit der Stiftung Kulturerbe Bayern über eine mögliche Nutzung verhandelt. Diese bestätigte unserer Zeitung den Kontakt zur Imby, wollte sich aber nicht zu Details äußern.
Fragen zu Kaufpreisvorstellungen ließ der Freistaat unbeantwortet. Klar ist: Um das Gewölbe zu erhalten, muss er derzeit kleinere Maßnahmen zur Standsicherheit durchführen. Über diese Kosten gibt’s auch keine Auskunft. Bis zur Veräußerung soll außerdem ein Rissmonitoring durchgeführt werden.
Zuletzt diente das Zerwirkgewölbe bis vor sieben Jahren als Club und Gastronomie. Zuvor nutzten es unter anderem die Theaterakademie sowie das Gärtnerplatztheater. Ganz früher wurde hier Wild zerlegt. Daher der Name Zerwirk.JULIAN LIMMER