MÜNCHNER FREIHEIT

Mit 16 vor den Ferien

von Redaktion

Vielleicht liegt es am Alter. Ferdinand ist jetzt 16 – und das meiste in seinem Leben langweilt ihn. Zumindest erzählen das seine Eltern so. Man weiß nicht, ob diese Langeweile womöglich nur dann entsteht, wenn Ferdinand Momente mit seinen Eltern teilen muss. Die Routinen der Eltern fühlen sich für einen Heranwachsenden an, als müsse man einem Angler dabei zusehen, wie er stundenlang keinen Fisch aus dem Wasser zieht. Schon klar, dass Ferdinand sich da lieber auf sein Bett legt und das Internet leer schaut. Kurios ist nur, dass er sich für Clips begeistert mit Themen, die er im wahren Leben verabscheut. In einem völlig chaotischen Jugendzimmer liegen und sich Aufräumvideos anschauen – das ist Ferndinands Welt!

Um den Blick eines Jugendlichen für das Leben seiner Eltern zu schärfen, könnte man versuchen, den Unterschied zwischen notwendigem Übel und Hobby zu definieren. Auch Mama und Papa haben grundsätzlich keine Lust, zum Altglascontainer zu gehen. Aber sie machen es halt, weil nach den Muskeln und Knochen irgendwann auch die Vernunft in ihrem Körper gewachsen ist. Aber gut, das sind die Spielregeln. Ferdinands Eltern waren kein bisschen anders: Die Mutter dachte, sie würde nie darüber hinwegkommen, dass sich Take That auflöste. Und der Vater konnte jahrelang nicht im Garten helfen, weil er zu sehr damit beschäftigt war, den FC Bayern blöd zu finden.

Besonders gelangweilt ist Ferdinand aktuell in der Schule. Der Notenschluss ist vorbei, die Ferien sind noch nicht da. Und die Lehrerinnen und Lehrer wissen auch nicht so recht, womit man die Sechzehnjährigen begeistern könnte. Zu ihrer Verteidigung: Das wechselt ständig, oft sogar innerhalb eines einzigen Schultages: Das Quiz, das in der 11b super ankam, findet die 11c langweilig. Und als neulich der Physiklehrer einen Film zeigen wollte, hatte ihn die Französischlehrerin schon eine Woche früher vorgeführt. Es ist eine ungute Rechnung: Pubertät mal Schuljahresende ergibt ziemlich schlechte Laune.

Dabei könnte sich Ferdinand, gerade an diesem Wochenende, sehr freuen: Vor ihm liegen sieben Wochen ohne schulische Verpflichtung. Seine Freunde sind – zumindest an diesem letzten Wochenende – alle da und haben Zeit. Eigentlich ist das eine Freiheit, die Erwachsene gar nicht mehr kennen. Ferdinand kann jeden Tag aufs Neue wählen: Eisbach oder Aufräumvideos? Und wenn ihm einmal nichts davon zusagt, kann er immer noch Altglas zum Container bringen.

Artikel 1 von 11