Rentner legt Betrüger rein

von Redaktion

Bruno Schmaus (79) schockt die Schockanrufer – Bande stinksauer

Teamwork: Bruno Schmaus (r.) und Ermittler Markus Nothelfer haben Telefonbetrüger geschnappt. © Marcus Schlaf

Bruno Schmaus (79) kann hervorragend schauspielern. In seiner Jugend stand er sogar mit Marianne Sägebrecht auf der Bühne. Und er hat im Alter nichts verlernt. Gerade wieder hat der ehemalige Vermessungsingenieur aus Pullach einem Betrüger am Telefon was vorgespielt. Gejammert und geheult wie ein Tattergreis hat er. Und den Verbrecher sauber hereingelegt.

Am Montag bekam Schmaus einen Anruf. Italienische Nummer. Ein Mann gibt vor, der Sohn des Rentners zu sein. „Er sagte, er hätte eine Frau am Zebrastreifen totgefahren. Dann kam angeblich ein Staatsanwalt und sagte: ‚Jetzt muss ich schnell 80.000 Euro Kaution bezahlen, damit der Sohn nicht ins Gefängnis kommt‘“, erzählt der dreifache Vater. „Am Anfang klang er wirklich wie mein Sohn. Als er aber dann angefangen hat zu heulen, war mir klar: Das ist wieder so etwas.“

Dazu muss man sagen: Bruno Schmaus hat Erfahrung mit Betrügern. Schon 2014 verständigte er während eines Gangster-Anrufs die Polizei. Sie nahm den Kurier bei der späteren Geldübergabe fest. Mittlerweile hat Schmaus mit der Masche vier Festnahmen ermöglicht, er war deshalb öfter im Fernsehen und in der Zeitung. Dass es jetzt wieder geklappt hat, freut ihn diebisch: „Die Betrüger sollten mich besser googeln, bevor sie anrufen.“

Beim letzten Fall ließ Schmaus den Betrüger eineinhalb Stunden am Telefon zappeln. Derweil winkte er seinem Sohn, der gegenüber wohnt, vom Fenster aus zu. Der kam rüber, rief die Polizei. Beamte eilten herbei und assistierten Schmaus beim Telefonat. „Mitzuspielen ist gar nicht so einfach“, sagt Markus Nothelfer vom für Callcenter-Betrug zuständigen Kommissariat 61. „Weil man sehr viel wissen muss, sehr viel beachten muss, und weil die sehr schnell erkennen, dass man sie an der Nase herumführt.“

Schmaus ist aber ein alter Fuchs. Er stellt sich mal dumm, mal weinerlich – und lügt fast mehr als der Betrüger. Als es ums Geld geht, tut er so, als habe er Goldbarren und -münzen da. Die soll er in einen Jutebeutel packen und vor der Tür einem Komplizen übergeben. Er stopft stattdessen Papier rein. Und Filzstifte.

Bei der Übergabe auf der Straße steht er vor einem der Bandenmitglieder. Es ist ein 21-jähriger Pole. „Der war groß, so Typ Nick Woltemade, also der Fußballer“, sagt Schmaus. „Er hat den Beutel genommen, hat sich umgedreht und ist gegangen – aber da kamen schon zwei Polizisten.“

Der Mann sitzt seitdem in Untersuchungshaft – und seine Komplizen nehmen die Festnahme richtig persönlich. „Seitdem gibt’s bei mir massiven Telefonterror“, sagt Schmaus. Ständig rufe jemand an. Die Betrüger schickten ihm sogar einen Bestattungsdienst an seine Adresse. „Sie meinten, mein Sohn habe angerufen, sie sollen die Leiche von Bruno Schmaus abholen.“

Für Bruno, den Betrüger-Schreck, sind das ganz klare Einschüchterungsversuche. „Das ist eine andere Qualität als früher. Sie haben es wohl nicht verkraftet, dass sie auf mich reingefallen sind.“ Ihm mache das keine Angst. „Ich kann das ab.“ Sein Name könne auch ruhig in der Zeitung stehen, sagt Schmaus – könnte ja neue Betrüger anlocken. Er nimmt‘s sportlich: „Vielleicht kommt dann wieder einer, der meint, er kann es besser als die anderen.“THOMAS GAUTIER

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