Neulich entdeckte ich endlich mal Dampfnudeln auf einer Speisekarte. In der Konditorei am Tegernsee würde meine lang gehegte Sehnsucht nach dieser Süßspeise – um sie selbst zu kochen, bin ich zu faul – gestillt werden. Begeistert bestellte ich also „Dampfnudln mit Fanillsoß“ bei einer eher wortkargen Kellnerin des Cafés. Schon als das Gericht aufgetragen wurde, stutzte ich. Auf dem Teller lag kein großer, weicher, glatter, bleicher Halbmond in zartgelber Vanillesauce, es befanden sich vielmehr mehrere kleine, eher quadratische Teiggebilde auf dem Teller, inmitten einer beinahe dunkelgelben Konsistenz. Sie gemahnte deutlich an einen missglückten Pudding, während die Würfelchen an die Kinderschar einer ausgewachsenen Rohrnudel erinnerten.
„Na ja“, dachte ich, „das schaut nicht so aus, wie du’s dir erträumt hast und wie’s sich gehört, kann aber trotzdem gut schmecken.“ War aber nicht so. Die Teiglinge waren okay, aber halt nicht dampfnudelig – der Dampf ist doch das Entscheidende bei der Zubereitung – , und der Baaz erwies sich als geschmacklose Pampe. Weil ich Hunger hatte, verzehrte ich das Backwerk, wobei ich mich bemühte, es möglichst nicht mit der öden Masse in Berührung zu bringen. Beim Abservieren hatte die Bedienung mit einem Mikro-Blick auf den Teller erfasst, dass ich nicht mit Begeisterung gegessen hatte. Und dann kam es zu einem denkwürdigen Dialog, den es nicht nur wegen des Dialekts allein in Bayern geben kann. Sie: „Z’hoaß?“ – Ich: „Naa, z’fad!“ Mit einem minimalistischen, eigentlich nur ahnbaren Zucken einer Augenbraue gab sie mir zu verstehen, dass sie ganz genau wusste, was ich meinte. Ich gab ein gutes Trinkgeld.
Üppiger, dafür richtiggehend valentinesk fiel das Zwiegespräch neulich in einer Münchner Konditorei aus (ich halte mich auch anderswo auf, nicht dass Sie denken, ich treibe mich ausschließlich in Tempeln des Süßkrams herum). Noch während ich Kuchen- und Strudelstücke zum Mitnehmen auswählte, sprach mich eine Frau an, die zuvor mit der Angestellten hinter dem Tresen geschäkert hatte. Sie: „Ich kenn’ Sie irgendwo her!“ – Ich schaue skeptisch. – Sie: „Haben Sie in einer Arztpraxis gearbeitet?“ – Ich: „Nein, ich bin Journalistin.“ – Sie: „Dann haben Sie mich amal interviewt, und ich hab‘ Sie vergessen.“ – Ich: „Und ich hab‘ Sie ebenfalls vergessen!“ Wir lachten beide durchaus zufrieden über unseren Nonsense-Dialog.