Die größte Kaffeeparty der Welt

von Redaktion

Ein Fest nicht nur für Pferde-Fans: 50 Jahre „Großer Dallmayr Preis“ in Daglfing

Freuten sich über die Pferdefans: Co-Gastgeber Florian und Sunny Randlkofer. © Breiteneicher/ABR-Pictures (3)

Die Gastgeber-Familie an der Rennbahn: (v. li.) Ellen Ruthrof, Michael Ruthrof, Marianne Wille, Dr. Johannes Dengler, Julia Dengler, Dr. Felix Werle, Simone Werle.

Es ist ein Volksfest! 15.000 Leute, Imbissbuden, Pferde, Jockeys, Züchter, Pferdebesitzer – alle in heller Aufregung an der Galopprennbahn in Daglfing. Es geht um den Großen Dallmayr-Preis, den populärsten Renntag im Kalender, der am gestrigen Sonntag sein 50. Jubiläum feierte und seit jeher als größte Kaffeeparty der Welt gilt. 6000 Tassen werden gratis verteilt – nebst ganzen Packungen an Bohnen.

Der Name des Derbys ist also Programm, seit der Bremer Kaffeespezialist Konrad-Werner Wille (1914–1977) den Preis 1976 ins Leben rief. Er begründete 1933 bei Dallmayr die Kaffeetradition und brachte die Bohnen auf die Rennbahn. Begeistert für den Galopprennsport hatte er die Idee für den ersten Dallmayr-Renntag, war selbst Züchter und Pferdebesitzer.

Sein Sohn Wolfgang Wille (86) hat das Erbe seines Vaters in jeder Beziehung fortgeführt und war als Züchter mit bis zu 15 eigenen Rennpferden aktiv. Und: Er war über 15 Jahre lang Präsident des Münchner Rennvereins, heute ist er Ehrenpräsident. Inzwischen sind Schwiegersohn Dr. Johannes Dengler und Florian Randlkofer als persönlich haftende Gesellschafter des Traditionsunternehmens die Hauptsponsoren – und nebenbei Gastgeber vieler Prominenter in der VIP-Lounge. Darunter Schauspieler und Polospieler Heino Ferch, der mit dem millionenschweren Pferdebesitzer und Unternehmer Franz Prinz von Auersperg gekommen war, dessen legendärer Europahengst Pastorius hier schon Sieger des Dallmayr-Preises war. Inzwischen hat sich Auersperg aus dem aktiven Rennsport etwas zurückgezogen, da er mehr in Spanien weilt und kein Pferdebesitzer sein will, der seine Lieblinge irgendwo in einem Rennstall stehen hat und nur zum Renntag kommt. Mit Heino Ferch verbindet ihn die Leidenschaft für Pferde und eine große Freundschaft. Ferch steht gerade in Belgien für die Verfilmung der Ahrtal-Flut vor der Kamera und bald für die Circus-Krone-Saga, die ihm als Zirkusfan und Freund von Martin Lacey jr. und Jana Mandana eine Herzenssache ist.

Als Züchter hatte auch schon der Industriemanager, Tierarzt und Rennverein-Vorstand Dr. Stefan Oschmann den großen Dallmayr-Preis gewonnen. Eigentlich hätte heute sein Derby-Favorit Gostam für ihn ins Rennen gehen sollen, der aber wegen einer akuten Infektion ausfiel. „In diesem Sport lernt man Demut“, sagt Oschmann und lässt Gostam erst Anfang August wieder in Baden-Baden laufen. So ein Renntag als Mega-Familienfest lässt sein Herz höher schlagen, auch seine Enkel sind da. Natürlich hat er auch gewettet – aber streng geheim, auf wen. Den größten Gewinn seines Lebens machte er als Student in München – mit einer Mark hatte er damals 1000 gewonnen. Die Leidenschaft ließ ihn nie wieder los.

Auch Wolfgang Wille hatte immer eigene Rennpferde; als es ihm gesundheitlich nicht mehr so gut ging, musste er seinen Rennstall samt Zucht auflösen – er konnte den Pferden einfach nicht mehr hinterherreisen. Umso glücklicher ist er mit seiner Frau Marianne, dass Enkelin Margareta Werle (17) zwar nicht im Rennsport, aber im Dressurreiten in ihrer Altersklasse gerade erst bayerische Vizemeisterin geworden ist. Sie hat das Pferde-Gen geerbt.

Der Münchner Dekorationsmaler Albert Hoffmann (89) hat seit 50 Jahren alles auf der Galopp-Rennbahn gesehen. Einmal gewann er fast 30.000 Mark – bei 600 Mark Einsatz – aber in Summe hat er den Wert eines ganzen Hauses in Daglfing und Baden-Baden gelassen. Wetten sind sein Leben! Was sich seit den 70ern verändert hat? Die Pferde pro Rennen sind deutlich weniger geworden, die Renntage auch. Gute alte Zeit.

Mit dabei u. a. Rennverein-Präsident Michael Motschmann, Karli und Nicola Dersch, Susi Inselkammer, Iberl-Bühnen-Impresaria Raphaela Maier, die mit ihrem verstorbenen Mann Georg immer auf der Rennbahn gewettet hat; Prof. Dr. Dominik und Anabel Pförringer, Dr. Stephanie von Luttitz mit Konstantin von Randow, die Rennvereins-Vize und Bürgermeisterin Stephanie Gräfin von Pfuel, selbst Pferdebesitzerin, und Kunstmanagerin Mon Muellerschoen.ULRIKE SCHMIDT

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