An der Isar wird es in den Sommermonaten, etwa am Flaucher, immer voller. © imagebroker
Das Thermometer steigt und steigt – bis zu 38 Grad sollen es in den kommenden Tagen in München werden. Schon bei der vergangenen Hitzewelle im Juni lief die Isar fast über. Sonnenanbeter, Grillfreunde, Badende und Feierwütige drängen sich im Sommer auf den Kiesbänken und in den Auen. Und es werden immer mehr! Wenn nun am Freitag noch die Sommerferien starten, dann wird die Isar endgültig zum Party-Strand.
„München wächst – und der Druck auf die Isar ist wahnsinnig“, sagt die Vorsitzende des Bezirksausschusses Untergiesing-Harlaching, Anais Schuster-Brandis (Grüne). „An heißen Tagen ist es an der Isar wirklich gesteckt voll – auch weil dort ein konsumfreier Raum ist.“ Das ist auch die Erklärung von Alexander Loipersberger, seit 17 Jahren Betriebsleiter vom Kiosk an der Reichenbachbrücke, der fast rund um die Uhr geöffnet hat. „Die Isar wird immer beliebter. Unter anderem, weil sie einfach billiger ist als das Freibad oder auch die Bar am Abend.“ Das beliebteste Getränk, die Flasche Augustiner, kostet bei ihm 2,80 Euro.
Wie so oft in der engen Großstadt prallen hier freilich auch die unterschiedlichen Interessen aufeinander. Schuster-Brandis: „Es ist ja schön, dass so viele Freude an der Isar haben – aber natürlich werden an uns oft Beschwerden von Anwohnern herangetragen, zum Beispiel wegen des Lärms. Wir versuchen, zu helfen, beispielsweise ist der Kommunale Außendienst verstärkt im Einsatz. Aber die rechtliche Handhabe ist schwierig.“ Am Kiosk an der Reichenbachbrücke versuchen die Mitarbeiter, die Kunden nach ihrem Einkauf wegzuschicken, um größere Ansammlungen zu vermeiden.
Ein weiteres Problem: die Hinterlassenschaften am nächsten Tag. „Ich ziehe hier immer meine Schuhe an, weil ich schon mal in eine Glasscherbe gestiegen bin“, sagt beispielsweise Dominique Meyerl, der ein paar Minuten entfernt von der Isar wohnt. Er sorgt sich auch um seinen Hund Keno. „Wenn es zu voll ist, gehe ich – auch wegen der Scherben – weiter südlich mit ihm Gassi.“ Gleich unterhalb der Wittelsbacherbrücke sonnt sich Pia Oliv (28). „Unter der Woche kann man hier gut abschalten. Am Wochenende ist es aber vor allem zwischen Reichenbachbrücke und Wittelsbacherbrücke einfach zu voll, da geht das Urlaubsgefühl verloren.“
Michael Noordermeer (60) wohnt ganz in der Nähe der Reichenbachbrücke. „Die Luft an der Isar ist schon manchmal stickig vom Grillen. Aber ich finde trotzdem, dass man die Jugend hier feiern lassen soll. Sie hat ja sonst nicht so viele Möglichkeiten.“
Die BA-Chefin Anais Schuster-Brandis wünscht sich unterdessen: „Bitte nehmt alle ein bisschen Rücksicht!“ Dann ist die Isar nämlich das Paradies.N. BAUTZ/ L. BINNER