MÜNCHNER FREIHEIT

Zauberer dringend gesucht!

von Redaktion

„Walle! Walle manche Strecke, dass zum Zwecke der Verkehr fließe …“ Ein Zitat in etwas abgewandelter Form aus dem „Zauberlehrling“, aber vielleicht ganz gut zur Münchner Verkehrssituation passend. Deshalb hat die FDP im Stadtrat einen Verkehrsfluss-Beauftragten durchgesetzt, nachdem der jetzige Zauberlehrling, eventuell auch mehrere „Lehrlinge“ wohl die Baustellen-„Knechte“ nicht mehr im Griff haben oder vielmehr noch nie hatten. Da momentan der komplette Verkehr in München mehr steht als fließt, wird ein kompetenter Mensch gesucht, der die Referate Mobilität, Bau und Kreisverwaltung koordiniert.

Da bin ich jetzt gespannt, ob sich wer findet, oder freiwillig bewirbt. Dieser Job wird weder beliebt noch von Erfolg gekrönt sein und sicher nicht so gut bezahlt, dass man eine Bewerbung abgeben möchte. Es sei denn, man hat ein so großes Geltungsbedürfnis, dass man gerne auch mit Misserfolgen in der Zeitung steht. Schon allein die drei Referate unter einen Hut zu bekommen, untereinander zu kommunizieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist eine schier unlösbare Aufgabe. Auf alle Fälle soll dieser Beauftragte „durch bessere Organisation von Baustellen und Schienenersatzverkehr für weniger Stau und Frust auf Münchens Straßen“ sorgen.

Aber das Kind ist ja schon in den Brunnen gefallen, oder besser gesagt, der Karren steckt schon im Dreck, nachdem er an die Wand gefahren wurde. Wir jubeln ja schon, weil der Luise-Kiesselbach-Tunnel eine Woche früher als geplant befahrbar ist. Für diesen Tunnel ist wohl ein guter Mitarbeiter zuständig, ist doch auch seine Bauzeit unter der angesetzten Dauer geblieben. Vielleicht der richtige Mann für den ausgeschriebenen Posten?

Gleichzeitig wird uns in einem Nebensatz mitgeteilt, dass uns die Baustelle am Föhringer Ring länger als geplant erhalten bleibt. Da kann man organisieren und planen, wie man mag, wenn sich dann plötzlich „unvorhergesehene Hindernisse“ und „baugrundtechnische Schwierigkeiten“ ergeben, gell? Es werde derzeit geprüft, inwieweit der Bauablauf maximal beschleunigt werden kann, sodass die Strecke so schnell wie möglich wieder frei („der Verkehr fließe“) gegeben werden kann. Es gibt eine Internetseite „München unterwegs“ und auf dieser kann man eine „Servicekarte Baustellen“ aufrufen. Da kann man die derzeit 3000 (!) Baustellen sehen, die uns momentan in München das Verkehrsleben sehr schwer machen. Da wird einem ganz rot vor den Bildschirm-Augen! Der Ausdruck „Standort München“ wird hier wörtlich genommen. „Stehe, stehe, denn wir haben Deiner Gaben …“ Hoffentlich findet der Baustellenzauber bald seinen Meister, sodass nicht täglich, wie von Zauberhand, ein neues Verkehrshindernis installiert wird.