„Diebe ruinieren uns!“

von Redaktion

Immer mehr Langfinger in Läden – Der Hilferuf der Händler

Hajrudin Jusic macht seinem Ärger auf Instagram Luft.

Diebe verursachen tausende Euro Schaden in den Edeka-Filialen von Hajrudin Jusic. © O2O Creative/Getty

Der alte Mann, der Rinderfilet in einem Einkaufskorb mit doppeltem Boden an der Kasse vorbeischmuggelt. Die Hausfrau, die ihre Einkäufe aufs Band legt, die Flasche Champagner aber in der Handtasche lässt. Das Mutter-Tochter-Gespann, das einen Wagen mit Lebensmitteln bezahlt – und eine Tasche voll mit geklauten Waren mitgehen lässt …

Krasse Fälle. Für Hajrudin Jusic Alltag. „Ich frage mich, in was für einer Welt wir mittlerweile leben!“, macht der Unternehmer seinem Ärger auf Instagram Luft. Jusic betreibt in München drei Edeka-Filialen. Der 43-Jährige muss Schäden von mehreren tausend Euro durch Diebstähle hinnehmen – pro Woche. „Ich schätze den Schaden durch Diebstähle auf mindestens 200.000 Euro im Jahr.“ Dazu kämen zig entwendete Einkaufswagen.

Auch Stefan Fraaß, Inhaber von Edeka Fraaß an der Zenettistraße, kennt das Problem. „Die Diebstähle haben allgemein überhandgenommen“, sagt er. Früher seien vor allem Alkohol und Zigaretten gestohlen worden. „Heute beispielsweise auch Sportler-Produkte wie Protein-Shakes.“ Durch die Einführung der SB-Kassen seien die Delikte weiter gestiegen. „Nicht alle lassen etwas mitgehen. Viele geben beispielsweise bei Obst eine günstigere Variante ein.“

Bemerkenswert: Die Diebe stammen längst nicht nur aus gesellschaftlichen Randgruppen. „Das zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Da sind Leute wie du und ich dabei, das würde man denen nie ansehen!“, sagt Jusic. Der Warenwert sei oft hoch, 150, 200, sogar 300 Euro. Und: „Es wird querbeet alles geklaut.“ Hoch im Kurs: Kaffee und Alkohol, Fleisch, Feinkost. „Es gibt natürlich kriminelle Banden, die die Ware weiterverkaufen. Aber auch ganz normale Leute verursachen einen hohen Schaden – Büroangestellte, Rentner, Familienväter, Mütter mit Kindern.“ Auch mit diebischen Mitarbeitern hat Jusic zu kämpfen: „Ich musste acht Leute entlassen.“

Die Zahlen zeigen: Kundschaft und Mitarbeiter tragen laut einer Studie des EHI Retail Institute, einem wissenschaftlichen Institut für den Einzelhandel, eklatant zu Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel bei. Demnach beläuft sich der Anteil der durch Diebstahl verursachten Verluste auf 4,33 Milliarden Euro 2025 (2024: 4,20 Milliarden). Allein die Kundschaft wird für einen Warenverlust im Wert von 3,05 Milliarden Euro verantwortlich gemacht.

Jusic ist frustriert. „Es gibt keine Konsequenzen. Anzeigen werden fallen gelassen, und ich habe auch nicht die Zeit, rund um die Uhr Kunden zu überwachen und Beweise zu liefern.“ Er hat jetzt einen Detektiv engagiert. „Der hat in einer Woche 20 Leute beim Klauen erwischt – allein sieben an einem Samstag in der Filiale in den Riem Arcaden!“DAP, NBA

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