Von Münchens legendärem Nachkriegs-OB, dem Wimmer Dammerl, ist verbürgt, dass sein tüchtiger und medienerfahrener städtischer Pressesprecher nach der ersten Reise des Münchner Stadtoberhauptes in die italienische Schwesterstadt Verona zu einer Pressekonferenz ins Rathaus einlud, um dessen stärkste Impressionen zu präsentieren. Nach einführenden Worten des Pressesprechers sollten die ersten Eindrücke folgen. Aber schon beim ersten Gedanken an Verona überfiel den Dammerl eine bleierne Müdigkeit und er drohte einzunicken. Da rempelte ihn sein Sprecher in der gut besuchten Ratstrinkstube an und wiederholte das aufmunternde Wort „Eindrücke“. Da schnaufte der Herr Oberbürgermeister tief durch und seufzte dann nur: „Hoass war’s!“ Sodann war’s, wie der Sprecher befürchtete: Ende der Durchsage! Die weiteren Impressionen durfte sich der Leiter des Presseamtes dann selbst ausdenken und hinzufügen.
Im Münchner Rathaus hält sich seitdem beinhart das Gerücht, dass erst seit Verona das Presseamt bei Reisen zu neuen Schwesterstädten persönlich vertreten ist. Im Fall von Harare in Zimbabwe kann ich das sogar selbst bestätigen. Die Geschichte beweist, dass es schon ein Leben vor dem Klimawandel gab und es wirklich ganz anders war als heute. Heute würde es jeder verstehen, dass einem die Hitze die Sprache verschlägt und jede Erinnerung verdrängt. Damals war das ein so sensationelles Erlebnis, dass selbst die personell bestens ausgestattete Verwaltung einer heranwachsenden Millionenstadt in keiner Weise darauf vorbereitet war. Seither wurden die städtischen Delegationen immer größer und noch größer. Immer müssen auch Leute dabei sein, die kein Hitzschlag trifft.
Trotzdem werden wir künftig nicht immer mehr, sondern vermutlich eher weniger reisen. Ein erstes Warnzeichen habe ich gestern vernommen. Eigentlich wollten wir nächste Woche nach Wien reisen. Ganz gemütlich mit der Eisenbahn. Vier Tage Wien vom Feinsten. Mit Museen und Ausstellungen, Konzerten und natürlich der Oper. Aber dann der Blick in den Wetterbericht. Eine alte Übung, damit man die passenden Klamotten dabeihat. Notfalls auch einen Anorak. Aber nein! Die amtlichen Wetterfrösche erwarten 36 Grad! Täglich! Mehrstündig! Wer soll das aushalten? Wir jedenfalls nicht.
Also stornieren. Geht beim Hotel sogar kostenlos. Bloß bei der Bahn nicht. Naja, von irgendwas muss die auch leben. Hauptsache, wir sind noch einmal davongekommen. Weder verschmort noch verbraten, weder weich gekocht noch hart gegrillt. Und freuen uns, dass wir in uraltem Gemäuer leben, mit hohen Bäumen vor den Fenstern. Und Grünzeug an der Wand. Und nicht in einem Stahlgerüst, das unter seinem Glasgehäuse seit dem Sieg in einem Architekturwettbewerb vor wenigen Jahren schon öfters zu glühen begann. So lässt sich der Klimawandel schon irgendwie aushalten. Dass alle, die ihn immer noch leugnen wollen, immer mehr ins Schwitzen geraten, wirkt da irgendwie gerecht.