Eine Filiale von München Ticket. © Götzfried
Das Geschäft mit den Tickets läuft seit Jahren mies – jetzt folge der Schlussstrich. Der Stadtrat hat am Mittwoch beschlossen, die Stadttochter München Ticket zu verkaufen. Und das so schnell wie möglich.
Nach Informationen unserer Zeitung schreibt die Firma seit Jahren rote Zahlen – und das würde sich auch in Zukunft wohl nicht ändern. Die Stadt will aber nicht noch weiter Geld reinpumpen. Vor allem, weil München Milliardenschulden hat und dringend Geld benötigt.
Dem Vernehmen nach liegen der Stadt mittlerweile vier konkrete Angebote vor. Eine Entscheidung soll schon im August oder September fallen. München Ticket würde dann zum neuen Jahr offiziell den Besitzer wechseln. Der Stadt soll der Verkauf eine Summe im einstelligen Millionenbereich einbringen.
München Ticket gibt es seit 1993. Das Unternehmen verkauft Karten für Großkonzerte von Stars wie Taylor Swift, Helene Fischer oder Andreas Gabalier, aber auch für Comedy, Museen oder Theater. Dazu betreibt es Vorverkaufsstellen und organisiert IT für Kassensysteme und Einlasskontrollen. Doch das Geschäft läuft seit Jahren miserabel. In der Corona-Zeit machte die Firma ordentlich Miese – und erholte sich seitdem nicht mehr. 2025 erwirtschaftete das Unternehmen laut Wirtschaftsreferat ein Minus von 671.000 Euro.
Seit 2020 musste die Stadt 6,3 Millionen Euro zuschießen – die letzte Finanzspritze gab es erst im Februar, denn da drohte die Insolvenz. München Ticket bekam eine Million Euro „zur Aufrechterhaltung ihres Betriebs“. Doch auch 2026 ging der Absatz der Tickets laut Wirtschaftsreferat um 17 Prozent zurück. Deshalb zieht man jetzt die Reißleine.
Ein Verkauf stand im Februar auch schon zur Diskussion (wir berichteten). Die Verwaltung ließ aber vorsorglich noch mal prüfen, ob man München Ticket weiter finanziell unterstützen soll. Und hat sich jetzt angesichts der schlechten Aussichten dagegen entschieden.
Denn es ist laut Wirtschaftsreferat nicht zu erwarten, dass sich die Situation für München Ticket bessert. Die Lage auf dem Markt sei grundsätzlich düster, ergab eine Stadt-Analyse. Es gebe weniger Großveranstaltungen, die Nachfrage bei Ausstellungen gehe zurück. Einige Museen werden saniert und sind geschlossen – logischerweise werden da keine Karten verkauft. Außerdem halten sich Kunden in der schwierigen wirtschaftlichen Lage mit Ticketkäufen zurück.
Die zwei großen Fragen sind jetzt: Wer löst das München Ticket? Und was wird aus den 91 Mitarbeitern? Das ist noch völlig unklar. Der Stadtrat forderte, dass deren Interessen berücksichtigt werden – was immer das im konkreten Fall heißen mag. Im Februar ging man nicht von betriebsbedingten Kündigungen aus. Klar ist nur: Die Firma soll nach dem Verkauf unter gleichem Namen weitermachen.THOMAS GAUTIER