Vor allem Süßes zieht die Wespen an. Das nutzt Kellner Guido Weber (u. re.) und lockt sie in die Falle. Bäckerin Daniela (o. Mi.) stellt hingegen Basilikum auf (u. Mi.). Was hilft: Wespenhauben auf Gläsern (o. re.). © Fotos: Achim Schmidt, Marcus Schlaf
Sie schwirren um Eis, Kuchen und Grillfleisch. Und: Sie sorgen für Diskussionen am Biergartentisch. Wespen gehören zum Sommer in München – auch wenn sie nerven und der erste Impuls von vielen die Kampfansage ist. Das gilt jetzt ganz besonders: Viele Münchner haben in den vergangenen Tagen vermehrt Bekanntschaft mit Wespen gemacht. Martin Hänsel vom Bund Naturschutz bestätigt den Eindruck, dass jetzt richtig viele der schwarz-gelben Surrer unterwegs sind. Denn: Das warme Frühjahr hat ihnen ideale Bedingungen zur Vermehrung geboten. Mücken gibt’s dagegen nur wenige: Denen war’s bisher zu trocken.
Was die Wespen betrifft: Der Experte mahnt zu Gelassenheit. „Entdeckt man ein Wespennest am Haus oder im Garten, sollte man sich fragen: Stört mich das überhaupt?“ Und: „Sind sie mal da, gilt oft: Der Coolere gewinnt.“
Das beruhigt Guido Weber (61) nicht. Er ist Kellner im Biergarten am Viktualienmarkt und berichtet, dass ein Kollege allein in der vergangenen Woche fünfmal gestochen wurde. „Wenn man arbeitet, macht man oft ruckartige Bewegungen. Die Wespen werden dann schnell aggressiv und stechen.“ Vor allem beim Essensrücklauf gebe es eine Plage. Deshalb haben die Mitarbeiter dort Fallen mit Apfelsaft aufgestellt: „Dieses Jahr sind die Wespen extrem, am Samstag waren sogar 200 im Fanger.“ Dass die Wespen, wie manche Münchner zuletzt vermuteten, heuer langsamer und „ein bissl damisch“ unterwegs seien (vielleicht wegen der Hitze), können Experten übrigens nicht bestätigen.
Besonders im August suchen zwei Arten die Nähe des Menschen: die Deutsche und die Gemeine Wespe. „Nur diese beiden Arten kommen tatsächlich an unseren Kaffeetisch“, erklärt Hänsel. Viele andere Arten, etwa Feldwespen, seien dagegen friedlich. Grundsätzlich gelte: „Wer langsam reagiert und die Tiere vorsichtig zur Seite streicht, wird meist in Ruhe gelassen. Und Kindern sollte man Mund und Hände abwischen.“ Auch eine Ablenkfütterung abseits des eigentlichen Tischs könne helfen.
Ruhig bleiben ist gar nicht so einfach, sagt Daniela Schmieja (32) von der Bäckerei Fritz. „Ich werde nervös, wenn die um den Kopf herumschwirren.“ Sie hat deshalb einen Topf Basilikum zwischen Pistazienschnecken und Schokogebäck gestellt. Der starke Geruch soll helfen, die Wespen zu vertreiben.
Allerdings: Wespen sind nicht nur an Süßem interessiert. Sie verschmähen auch das Schinkenbrot nicht. „Eisweißhaltige Nahrung sammeln sie vorwiegend für den Nachwuchs, für sich selbst bevorzugen Wespen Süßes“, berichtet Hänsel.
Wer zu Hause ein Wespennest entdeckt, sollte nicht selbst zu Insektenspray oder anderen Mitteln greifen. Wespen stehen unter Schutz, zudem könne ein Bekämpfungsversuch gefährlich werden. Besonders Allergiker sollten sich an Fachleute wenden. Der Bund Naturschutz bietet hierfür eine Wespenberatung an und prüft, ob eine Umsiedlung oder andere Maßnahmen überhaupt notwendig sind.
Auch wenn Wespen vielen lästig erscheinen: Sie erfüllen eine wichtige ökologische Aufgabe. Die Insekten jagen Fliegen, Mücken, Raupen und andere Schädlinge. So tragen sie zum natürlichen Gleichgewicht bei.GABRIELE WINTER LAURA BINNER