Koks-Kicker Niko S. war im Prozess auch Thema. © A. Mayr
In dieser Tiefgarage fand die Polizei ein Drogenversteck.
Trug nicht zur Aufklärung bei: Bodybuilder Semir S. schwieg gestern eisern im Gerichtssaal. Ihm wird Drogenverkauf im großen Stil vorgeworfen. © Jantz, Bodmer
Er hat Kinder und einen Abschluss in Wirtschaftspsychologie. Trotzdem sitzt der Münchner Semir S. (33) jetzt vor dem Landgericht München I – angeklagt wegen einer Rekordmenge Kokain. Am 24. November 2025 hatten Drogenfahnder 22 Kilogramm der Droge in einer Garage in der Blumenau gefunden, die er gemietet hatte. Laut Staatsanwalt Jakob Schmidkonz soll Semir S. in München kiloweise mit Drogen gehandelt haben.
Der zwei Meter große, bärtige Bodybuilder war am 1. April 2025 erstmals ins Visier der Polizei geraten. Die hatte über einen Undercover-Beamten eine Kokain-Übergabe am McDonald’s in der Drygalski-Allee organisiert, sagte ein Drogenfahnder vor Gericht. Dabei sollen Semir S. und seine Komplizen laut Anklage sechs Kilo Kokain an drei andere Männer übergeben haben. Ein Foto zeigt, wie er am Tatort einen Burger isst. Nach dem Deal wurden mehrere Männer festgenommen. Semir S. aber ließ die Polizei laufen. Und begann mit der Observation. Sie zapfte seine Telefone an und verfolgte die Fahrten seines BMW X7 mit einem GPS-Sender. Monatelang. Dabei kam heraus, dass Semir S. viel unterwegs war. Er traf sich laut Drogenfahnder immer wieder mit anderen Männern im gesamten Stadtgebiet. Einige von ihnen sind einschlägig polizeibekannt. Und einer ist sogar deutschlandweit berühmt geworden: Koks-Kicker Niko S., der jahrelang unter falschem Namen bei der SpVgg Haidhausen spielte (wir berichteten). Niko S. droht ein Prozess wegen Kokainhandels und versuchten Mordes.
Laut Polizei traf sich Semir S. an der Hackerbrücke, an der Siemensallee oder in der Lindwurmstraße, übergab oder übernahm dabei oft Tüten – Inhalt unbekannt. Er fuhr oft in Tiefgaragen, etwa in der Vogelweidestraße in Bogenhausen oder in der Terofalstraße in der Blumenau. Und das immer mit dem luxuriösen BMW X7. Dabei arbeitete Semir S. in einem kleinen DHL-Shop in Brunnthal, den seine Freundin führte. Dort verkaufte er unter anderem Leberkassemmeln.
In der Terofalstraße wurden die Fahnder am 24. November schließlich fündig: Laut dem Drogenfahnder im Zeugenstand waren die 22 Kilogramm in einem Anhänger versteckt. Sie waren verpackt in DHL-Boxen und -Kuverts. Solche Verpackungen fand die Polizei später auch im Shop in Brunnthal. Auf den hart gepressten Kokain-Packungen prangte das Logo „Moncler“ – in Anlehnung an die Luxus-Marke.
In der Wohnung des Angeklagten in Sendling lagen 23.000 Euro in bar, Haschisch, etwas Kokain, eine Schreckschusspistole (Typ: Walther P22) – und der Mietvertrag für die Tiefgarage in der Terofalstraße. Im X7 lagen 34.300 Euro. Laut dem Drogenfahnder stammte das Geld möglicherweise vom Verkauf von zwei Kilo à 17.000 Euro Großhandelspreis. Die 22 Kilo waren laut dem Polizisten der bislang größte Fund in München, den es je gegeben hat. Woher die Drogen stammen, konnte der Ermittler nicht sagen. Der Polizist hatte auch keine Hinweise auf Hintermänner. Semir S. selbst sorgte vor Gericht nicht für Aufklärung – sondern schwieg eisern.T. GAUTIER