Münchens heißeste Pflaster

von Redaktion

Aktuelle Klimaanalyse zeigt die Problemzonen der Stadt

Im Überblick: Die aktuelle Stadtklimakarte zeigt, wo es besonders warm ist. © LHM

Die Sommer werden heißer, die Nächte wärmer – und die Belastung für die Menschen nimmt zu. Mit einer neuen Stadtklimaanalyse will die Landeshauptstadt nun genauer zeigen, wo Hitze heute schon ein Problem ist, wie sich der Klimawandel künftig auswirkt und welche Maßnahmen die Stadt ergreifen will. Bürgermeisterin Mona Fuchs und Klima- und Umweltschutzreferentin Christine Kugler haben am Dienstag die Münchner Stadtklimaanalyse vorgestellt.

Wie ist die Ausgangslage? Die neue Stadtklimaanalyse macht deutlich: Der Klimawandel ist in München längst angekommen. „In diesem Jahr hatten wir schon sechs Tropennächte in München“, berichtet die Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne). „Bis 2020 gab es solche Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad gefallen ist, gar nicht.“ Ein Blick auf die Zahlen zeigt die Entwicklung: Während der Hitzewelle im Juni wurden in München 17 Tage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad gemessen. Zwischen 1960 und 1990 waren es durchschnittlich nur drei bis fünf solcher Hitzetage – im gesamten Jahr. Besonders die dicht bebauten Viertel in der Innenstadt heizen sich stark auf. An der Isar und den Bahntrassen gibt es dagegen sogenannte Kaltluftleitbahnen. „Die neue Stadtklimaanalyse zeigt glasklar, dass wir handeln müssen“, sagt Fuchs. Die zunehmende Hitze sei eine Belastung für die Gesundheit der Menschen.

Was zeigt die neue Analyse? Die Untersuchung beschreibt die klimatische Situation im gesamten Stadtgebiet anhand verschiedener Szenarien. „Es gibt zwei Szenarien, ein moderates und ein starkes Klimawandelszenario. Ich sag’ so viel: Ich glaube, mit dem moderaten brauchen wir uns gar nicht mehr beschäftigen“, so Fuchs. Neben dem heutigen Klima wurden auch Entwicklungen bei einem starken Klimawandel sowie die Auswirkungen zusätzlicher Begrünung in der Analyse berechnet. „Am Beispiel der Sendlinger Straße sieht man: Eine Temperatur von 41 Grad ließe sich durch Baumpflanzungen auf 29 Grad runterkühlen“, demonstriert RKU-Referentin Christine Kugler (Grüne) anhand einer Klimakarte, bei der sich die Werte verschieben lassen.

Besonders im Fokus steht die sogenannte Planungshinweiskarte. Sie zeigt auf einen Blick, welche Flächen für die Frischluftversorgung besonders wichtig sind, wo Grün erhalten werden muss und in welchen Bereichen der größte Handlungsbedarf besteht.

Was plant die Stadt? Die Ergebnisse sollen künftig als Grundlage für die Stadtentwicklung dienen. Ziel ist es, Hitzeinseln zu reduzieren und die Stadt widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Ein zentrales Leitbild ist die sogenannte 3-30-300-Vision. Danach soll jeder Mensch von seiner Wohnung aus mindestens drei Bäume sehen können. Öffentliche Räume sollen zu 30 Prozent von Baumkronen beschattet sein, außerdem soll eine Grün- oder Freifläche höchstens 300 Meter entfernt liegen.

Wo liegen die Herausforderungen? Wie immer fehlt es an Geld. Auch sind die Bedingungen der Baumpflanzungen in der Innenstadt nicht optimal: „Wir müssen teilweise Stahlkonstruktionen reinziehen, damit auch Lkw noch drüberfahren können. So ein Baum kostet dann gerne mal das 20-Fache eines normalen Baums“, meint Fuchs. Dennoch sei die Entsiegelung einfach alternativlos.

Sie hebt vor allem die Pflanzung von Großbäumen hervor: „Wenn man sich den Sendlinger-Tor-Platz anschaut, denkt man, die neuen Bäume seien schon ewig da gewesen.“ Für das im Jahr 2023 beschlossene 3500-Bäume-Programm sind rund 52 Millionen Euro veranschlagt.GABRIELE WINTER

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