Eingeschleust und ausgebeutet

von Redaktion

Menschenhandel in München und Oberbayern: Polizei verhaftet vier Verdächtige

Die Falle schnappte zu: Den Ermittlern sind in München vermeintliche Menschenhändler ins Netz gegangen. © privat

Prostitution im Sperrbezirk ist illegal. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. © Smarterprix

Erfolgreicher Schlag gegen den Menschenhandel: Ermittler haben vergangenen Dienstag in zehn Wohnungen auf Münchner Stadtgebiet insgesamt zehn ausländische Frauen und vier Freier angetroffen. Die mehrheitlich asiatischen Frauen sollen in den Wohnungen der illegalen Prostitution nachgegangen sein. Vier Tatverdächtige mit deutscher Staatsangehörigkeit, drei Männer und eine Frau, wurden festgenommen. Der Hauptverdächtige, ein 72-Jähriger, sitzt in Untersuchungshaft.

„Nach derzeitigem Ermittlungsstand stehen die Beschuldigten im Verdacht, dass sie Wohnungen an meist asiatische Frauen vermietet haben, damit diese dort der Prostitution nachgehen können, obwohl sie keinen gültigen Aufenthaltstitel haben“, sagte Tina Kania vom Kommissariat 34, zuständig für Straftaten im Rotlichtmilieu.

Die Wohnungen, darunter der Wohnsitz eines der Beschuldigten, befinden sich im Sperrbezirk der Stadt, wo die Prostitutionsausübung generell verboten ist (siehe Kasten). Auch für zwei Beschuldigte, die Wohnungen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen haben, gab es Durchsuchungsbeschlüsse. Insgesamt waren etwa 90 Polizeibeamte im Einsatz.

Neben mehreren Handys wurde Bargeld in einem niedrigen fünfstelligen Bereich beschlagnahmt. Zudem wurden Vermögenswerte des 72-Jährigen im Wert von über 500.000 Euro gepfändet, darunter auch Fahrzeuge. Auch gegen die beschuldigte Frau (64), eine Bekannte des 72-Jährigen, seien Vermögensarreste im mittleren fünfstelligen Bereich vollzogen worden.

Einem der Tatverdächtigen wird zudem zur Last gelegt, entsprechende Wohnungen im niederbayerischen Passau vermittelt zu haben, wobei er die Frauen auch aktiv aus dem europäischen Ausland nach Deutschland gebracht haben soll. Aber: „Man kann auch Schleuser sein, wenn man einen finanziellen Vorteil erhält, dadurch, dass man einer illegalen Person hier ein Zimmer vermietet“, sagte Kania. Eben dies wird den Beschuldigten zur Last gelegt.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge sollen sie die Wohnungen, die im Stadtgebiet verteilt sind, zimmerweise an die Frauen vermietet haben. Bei der Miete könne man von einem mittleren dreistelligen Betrag in der Woche ausgehen, sagen die Ermittler. Heißt: Etwa 500 Euro für eine Frau pro Zimmer pro Woche. Macht etwa 2000 Euro im Monat fürs Wohnen. Zuhälterei stehe derzeit nicht im Raum.

Wie, von wem und mit welchen Versprechungen die Frauen (sie sind zwischen Mitte 30 und 60 Jahre alt) aus ihrer Heimat nach Deutschland geholt wurden, sollen nun die weiteren Ermittlungen klären. Die Kriminalpolizei erhofft sich insbesondere durch die Auswertung der Handys Antworten auf die offenen Fragen. Die Frauen schweigen – aus Angst, aus Scham.

Sie müssen sich unterdessen wegen verbotener Prostitutionsausübung und unerlaubten Aufenthalts verantworten. Die Freier wurden als Zeugen vernommen – in Deutschland ist der Kauf von sexuellen Dienstleistungen grundsätzlich legal und straffrei.DANIELA POHL

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