Zerkratzte Tafeln am Bahnhof Vaterstetten.
Besonders schlecht benotet: Am Bahnhof in Starnberg fehlt seit 2011 die Überdachung. © Oliver Bodmer
Müll an den Treppen ist keine Seltenheit. © Gautier
Baustelle und Müllhalde zugleich: der Südeingang am Münchner Hauptbahnhof. © Jens Hartmann
Desolater Anblick: eine Szene am S-Bahnhof Vaterstetten, der nach Ansicht der Bürgermeisterin arg vernachlässigt wird. © Stefan Rossmann (2)
Hier stimmt was nicht. Das fällt erst nach und nach auf, nach hunderten Tagen Ein- und Aussteigen. Die eingeschlagene Abfahrtstafel. Der Müll auf der Treppe. Die rostigen und verbogenen Sitze. Gesprungene Kacheln im Aufgang zum Bahnsteig. Die vollgesprayte Unterführung. Der versiffte Aufzug. Die zerkratzten Schilder – in drei Metern Höhe.
So schaut’s leider aus am S-Bahnhof Vaterstetten (Kreis Ebersberg) – und das Schlimme ist: Es ist normal geworden. Man hat sich daran gewöhnt. Ähnlich desolat sind auch viele andere der 150 S-Bahnhöfe rund um München. Ganz oben auf der Liste ist die Hässlich-Baustelle am Münchner Hauptbahnhof mit Trinkern, Junkies, Müll und Dreck.
Bruchbude Bahnhof – die Bahn-Chefin stört das auch längst. DB-Vorstandschefin Evelyn Palla will bis 2030 jedes Jahr vier Milliarden Euro in die Renovierung deutscher Bahnhöfe investieren. Der Bahn zufolge sollen dieses Jahr mehr als 1000 Stationen modernisiert werden. Bis 2030 werden zudem 710 Bahnhöfe grundlegend renoviert, 130 Bahnhöfe sollen es allein 2026 sein.
Im MVV-Gebiet gibt es viel zu tun: 2025 veröffentlichte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) eine Studie zum Zustand der Bahnhöfe im Freistaat. Auf dem letzten Platz: das S-Bahn-Gebiet München. Besonders schlechte Noten bekamen Taufkirchen, Icking, Aubing, Neuaubing, Hallbergmoos, Hohenschäftlarn, Ebenhausen, Weßling und Steinebach, Esting, Maisach, Harthaus, Kreuzstraße und Starnberg – wo seit 2011 das Dach überm Bahnsteig fehlt.
Ganz schön viele Bahnhöfe mit Minus-Noten. Und der abgewrackte Halt in Vaterstetten steht nicht mal auf dieser Liste. Trotzdem will die Erste Bürgermeisterin Maria Wirnitzer (SPD) den Zustand ihres Bahnhofs nicht mehr akzeptieren: „Ich fordere die Bahn auf, da mehr zu tun. Das ist meiner Ansicht nach bisher deutlich zu wenig. Man kann Bahnhöfe nicht so vernachlässigen.“
Tatsächlich lässt die Deutsche Bahn Vaterstetten nicht mutterseelenallein. Nach mehr als 50 Jahren soll sich hier was tun. „Der Bahnhof Vaterstetten in seiner aktuellen Form stammt weitgehend aus der Anfangszeit der S-Bahn 1972“, sagt ein Bahnsprecher. Eine Komplettsanierung sei zwar „aktuell nicht geplant“, so der Sprecher – „jedoch wird DB InfraGO noch dieses Jahr das Bahnsteigdach und nächstes Jahr die Treppeneinhausung sanieren“.
Schon mal ein Anfang. Woanders tut sich auch was. Seit 2025 werden sieben Stationen zu „Zukunftsbahnhöfen“ modernisiert, sagt der Sprecher – konkret die Halte in Unterschleißheim, Stockdorf, Buchenau, St.-Martin-Straße, Feldkirchen, Gilching-Argelsried und Lochhausen. Andere positive Beispiele: an der Vaterstetten-Linie S6 der modernisierte Bahnhof in Grafing (bis auf die Unterführung, die bei Platzregen immer vollläuft) und der in Kirchseeon.
Zerschlagene Scheiben und Unmengen Graffiti sind hier eher selten. Was uns zu einem anderen Problem bringt: Für die Schmierereien, eingeschlagenen Scheiben und vollgepinkelten Ecken sind rücksichtslose Zeitgenossen verantwortlich. Zur Wahrheit über unsere desolaten Bahnhöfe gehört also auch: Zum großen Teil sind Menschen schuld daran.
Dreck, Müll, kaputte Schilder und Scheiben: Wie sieht es in Ihrem Bahnhof aus? Schildern Sie uns Ihre Erfahrungen (gerne mit Fotos) an die Mail-Adresse lokales@merkurtz.de.THOMAS GAUTIER