MÜNCHNER FREIHEIT

Hitzige Diskussion im Biergarten

von Redaktion

Neulich traf ich mich wie gewohnt mit Freundinnen und Freund zu unserem eher lockeren als regelmäßigen Stammtisch, na ja, eigentlich zu einem Treffen, das nicht immer im Restaurant stattfindet, sondern oft sogar beim Spazierengehen in Wald, Flur und Park. Dieses Mal war’s zu einer Mittagsbrotzeit im Biergarten. „Gott sei Dank is heid ned so hoaß wia neili; da hätt ma uns gor ned zammsitzen kenna“, seufzte Ludwig erleichtert und packte seinen Radi aus. Er ist unser Grant-Experte und zog natürlich sofort über die Hitze-Phasen her und das Versagen der Menschen im Norden und Westen unseres Globus, die doch seit Jahrzehnten wüssten, was los ist: „Da Klima-Erhitzung hätt ma scho längst as Kragal abdrahn miaßn. Jetzt hamma an Dreeg im Schachterl!“

Lucia stimmte ihm zu. Sie habe bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit schwer gelitten unter den brutalen Temperaturen, aber sie denke auch daran, dass es in anderen Regionen noch viel bedrohlicher sei. Wiggerl, der inzwischen den Rettich fein geschnitten hatte und dabei war, ihn zu salzen, schnaubte nur. „Ja, ja“, sagte Lucia, „ich will nichts kleinreden. Meine Nachbarin ist aus dem Krankenhaus buchstäblich geflohen, weil es dort unerträglich war. Die zum Glück nicht dringende Operation verschiebt sie auf den Spätherbst.“

Anna und ich pochten darauf, endlich gemütlich zu schmausen und zu trinken. Wir genossen die lauschigen Stunden unter den Kastanien, sahen den Buzerln zu, die die Steindl des Kiesbodens von einem Haufen zum anderen trugen, und den Spatzen, die gespannt auf die Brezenbrösel warteten.

Aber selbst mit gerundetem Bauch und nach einer Halben Bier ließ unser Spezi nicht locker. Das Thema Hitze und seine Folgen hatten ihn zu sehr aufgewühlt; es seien schließlich bereits 10.000 Menschen gestorben. Und was ihn vollends fuchsteufelswild machte: „Habts Ihr irgendoane gscheide Reaktion vom Kanzler mitkriagt oder vom Ministerpräsidenten!? Hod eppa da Bundespräsident a Gedenkfeier füa die Dodn abghalten? Hod da Kardinal füa die Gstorbnen a Mess glesn?“

Unser Freund grantelte nun ganz und gar nicht mehr. Er war ehrlich entsetzt von der gesamten Gesellschaft, der die Opfer offenbar wurscht seien. Wir versuchten ihn zu beschwichtigen, allerdings waren wir selbst sehr betreten, weil im Gegensatz zur Pandemie-Zeit kaum etwas unternommen worden war. „Na“, merkte Anna sarkastisch an, „wahrscheinlich sind viele froh, dass wir Alten draufgehen. Das spart Rente, Kranken- und Pflegekosten. Außerdem werden Wohnungen frei.“ Uns blieb der Mund offen stehen – konnte das möglich sein? –, und wir klammerten uns bedrückt an unsere Masskrüge.