Wie gefährlich sind die wirklich?

von Redaktion

E-Scooter-Flut in München: Mehr Unfälle und Haftpflichtfälle bei Versicherungen

Chaos allenthalben? Laut Stadt liegen in München mittlerweile weniger E-Roller kreuz und quer herum.

Die Polizei kontrolliert auf Alkohol: Auf dem E-Roller gelten die gleichen Grenzwerte wie beim Auto. © Sina Schuldt/dpa

Immer mehr E-Scooter: Verbieten können Städte sie nicht, aber die Fahrer kontrollieren. © Charisius/dpa (2)

Fünf Tage lang rang ein 49-jähriger Münchner mit dem Tod, bis er am 30. Juli seinen schweren Verletzungen erlag. Er war nachts mit einem E-Scooter auf einem Radweg entlang der Isar in Au-Haidhausen gestürzt. Gestern meldete die Polizei einen schlimmen Unfall: In Lauingen an der Donau rasten zwei Kinder mit einem E-Scooter gegen einen Lastwagen, ein Elfjähriger wurde schwer am Kopf verletzt. Unfälle häufen sich! Wir fragen: Wie gefährlich sind die wirklich?

■ Immer mehr E-Scooter

1,66 Millionen E-Scooter waren 2025 versichert, meldet der Versicherungsverband GDV. Das sind rund 320.000 mehr als vor einem Jahr und gut doppelt so viele wie 2022. In den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl der E-Roller in Privateigentum fast verdoppelt auf jetzt 1,34 Millionen. Die Zahl der Leihgeräte blieb gleich, in München gibt es rund 20.000.

■ Steigende Unfallzahlen

Der massive Anstieg zeigt sich bei den Unfallzahlen. E-Scooterfahrer haben keine Knautschzone. Laut Polizei München wurden im vergangenen Jahr 423 Menschen bei einem Unfall mit einem E-Scooter leicht verletzt, 34 erlitten schwere Verletzungen. Insgesamt gab es 2025 639 Unfälle und einen Anstieg von 28 Prozent zum Vorjahr.

■ Leihgeräte oft beteiligt

Die Leihgeräte führen in der Unfallstatistik deutlich: Laut Statistischem Bundesamt war die Schadenshäufigkeit im vergangenen Jahr bei Mietgeräten mehr als doppelt so hoch wie bei privaten: 13 Schäden pro 1000 versicherten Mietgeräten stehen sechs Schäden pro 1000 versicherten Privatgeräten gegenüber. Insgesamt gab es deutschlandweit 2025 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Verletzten, 2022 waren es noch 8341. Laut Versicherungsverband GDV zählten die Versicherer im vergangenen Jahr 11.700 Haftpflichtschäden mit E-Scootern.

Eigentümer von E-Rollern fahren meist viel und haben viel Praxis, zudem tragen sie oftmals einen Helm, erklärt Kirstin Zeidler, die Leiterin der Unfallforschung im GDV. An der Statistik gibt es aber auch Kritik: „Es wäre besser, die Unfallhäufigkeit pro gefahrenem Kilometer zu kennen“, sagt Tobias Kuderna, Sprecher des Anbieters Lime. Denn auch die Nutzungszahlen der Leihfahrzeuge sind stark gestiegen. So verzeichnete Lime alleine im Juni 994.765 Fahrten, 69 Prozent mehr als im Vorjahr. 53 Prozent nutzen den E-Roller, um zur Arbeit oder zur Schule zu kommen, nur 13 Prozent der Nutzer sind Touristen. Tim Schäfer von Voiapp erklärt: „Da die Zahl der Sharing-Fahrten mit E-Scootern deutlich zugenommen hat, ist das Unfallrisiko pro Fahrt gesunken.“

■ Alkoholgrenze & Co.

Beim Führen eines E-Scooters gelten dieselben Grenzwerte für Alkohol wie beim Autofahren. Für E-Scooter ist eine selbstklebende Versicherungsplakette Pflicht. Die E-Scooter-Plakette wird jedes Jahr ausgetauscht, und die neuen Kennzeichen erhalten jährlich zum 1. März eine neue Farbe. Erst ab 14 Jahren darf man einen E-Roller fahren. Höchstgeschwindigkeit sind 20 km/h.

■ Park-Chaos

Immerhin in Sachen wild abgestellter E-Scooter gibt München Entwarnung. Seit die Stadt Stellflächen ausgewiesen hat, ist das Park-Chaos viel besser im Griff, sagt eine Sprecherin des Mobilitätsreferats. Stand heute hat München 424 Abstellflächen geschaffen. Es bleibt auch nichts anderes, als eine Lösung zu finden, denn verbieten kann München die E-Roller nicht, das kann keine Stadt in Deutschland. In Frankreich dagegen gelten andere Regeln: Bereits 2023 hatte Paris alle Leih-E-Roller verboten. Nun gilt für Fahrer von E-Rollern in Privateigentum eine Helmpflicht. Auch eine solche könnte München nicht einführen. Die Stadt ist an die deutsche Straßenverkehrsordnung gebunden.

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