Baustellen-Chaos am Bahnhof

von Redaktion

Pasing: Zaun sorgt für Ärger bei Passanten – Taxler fürchten Verlust von Standplätzen

Petra Dahlemann bahnt sich ihren Weg durchs Chaos.

Taxler Max Weiland befürchtet, dass der Taxi-Stellplatz bald verkleinert wird.

Gabriele Horn weicht mit dem Rollator auf die Straße aus.

Hier geht‘s eng her: Auf der August-Exter-Straße kämpfen Busse und andere Verkehrsteilnehmer um jeden Zentimeter Platz. Grund dafür ist die Baustelle rechts im Bild. © Marie-Julie Hlawica (4)

Es ist nur Zufall, dass auf dem Plakat am Bauzaun an der August-Exter-Straße 3 das Wort „Chaos“ prangt – ein Hinweis auf die gleichnamige Ausstellung in der Pasinger Fabrik. Es könnte aber auch auf die Verkehrssituation auf der Straße verweisen. Denn dort, wo es am Pasinger Bahnhof Nord, direkt an Bayerns viertgrößtem Bahnhof, schon immer recht eng war, kämpfen Busse, Taxler, Pkw, Lieferverkehr, Zweiräder und Fußgänger jetzt noch mehr um jeden Zentimeter Platz. Nicht selten liegen die Nerven blank: Autofahrer hupen und schreien, Radler klingeln, Scooter schlängeln sich durch, Passanten fuchteln und winken.

Grund für das Chaos ist eine Großbaustelle: Laut Baugenehmigung von 2024 entsteht ein Studierendenwohnheim. Und Max Weiland ist sich sicher: Es dauert nicht lang, dann knallt’s hier. Seit 1988 ist Weiland Taxler, doch was derzeit passiert, überrascht den Vorstand der Taxi München eG enorm. Denn: „Uns hat niemand etwas davon gesagt, dass hier jetzt ein Bauvorhaben startet.“ Anders als üblich, wenn Taxistände betroffen sind.

Weiland befürchtet, dass der Standplatz, um die Bautätigkeiten zu sichern, schon bald von sechs auf drei Plätze schrumpfen muss. „Das ist für einen Bahnhof ein zu geringes Angebot“, weiß er aus Erfahrung. Für ihn ist der Ärger am Nadelöhr programmiert: „Schon jetzt können unsere Kunden mit Koffern, Gepäck oder beeinträchtigte Personen nicht in Ruhe, sicher und ungefährdet einsteigen.“

Petra Dahlemann fährt hier jeden zweiten Tag zur Arbeit nach Allach. Weil der Stopp für den 160er-Bus nach Karlsfeld wegen der Baustelle verlegt wurde, wartet die Augsburgerin, die mit dem Zug pendelt, nun 70 Meter weiter, an der dafür neu errichteten Betonplattform: „Ich kenne mich zum Glück gut aus, finde selbst ohne Beschilderung immer meinen Weg, schließlich ist jeden Tag irgendwo etwas anders.“ Schlimmer sind für sie die fehlenden Sitzgelegenheiten für die Fahrgäste. „Der Bus fährt doch nur alle 20 Minuten.“

Thomas Widmann aus Sulzemoos wird deutlicher: „Das hier ist eine Katastrophe! Die Stadt ist voller Baustellen, jetzt kommt die noch dazu.“ Die dreifache Mutter Laura Tebeqiraj aus Neupasing kreuzt die neue gefährliche Stelle vor der Pasinger Fabrik fast jeden Tag, wenn sie mit dem Kinderwagen zum nahen Spielplatz oder mit ihren Kindern ins Pasinger Zentrum will: „Ich kenne die Baustelle ja leider schon und bin auch einiges aus der Stadt gewohnt. Hier ist es aber wirklich eng und gefährlich. Zum Glück habe ich noch kein Schulkind, das diesen Weg alleine gehen muss.“ Sie hofft, dass es zu keinem Unfall kommt.

Dagegen hat Anwohnerin Gabriele Horn seit dem Aufstellen des Zauns und den Weg-Barrieren auf ihre Weise reagiert. Weil sie auf den Rollator angewiesen ist, hat sie ihren ganz eigenen Trick, um die neuen Absperrungen, Schwellen und Hindernisse ohne Slalom zu meistern: „Wenn alles frei ist, gehe ich einfach direkt geradeaus, mitten auf der August-Exter-Straße.“ Die wütenden Kommentare so mancher Autofahrer nimmt sie dafür in Kauf.

Wenigstens die Pasingerin Christine Pfeiffer freut sich, dass dort, wo lange eine Brache war, eine Veränderung ansteht. „Ich bin gespannt, was dort entsteht. Seitdem das alte Haus abgerissen wurde, ging ja nichts mehr weiter.“ Sie hofft, dass dann bald – wie zuvor – eine Eisdiele eröffnet.

Bis dahin wird es aber dauern. Laut Mobilitätsreferat ist die aktuelle Verkehrsführung bis 11. September genehmigt. „Es ist davon auszugehen, dass der Bauherr für die Baumaßnahme eine Verlängerung der Genehmigung beantragen wird“, so eine Behördensprecherin. Die Pasinger müssen sich noch länger auf Chaos einstellen.MARIE-JULIE HLAWICA

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