Himmlische Momente

von Redaktion

Blick in die Geschichte: Warum uns die Sonnenfinsternis fasziniert

Volkskundlerin Daniela Sandner.

Gefahr für die Augen: Die Sonnenfinsternis sollte man nur mit einer speziellen Schutzbrille anschauen.

Eine Sonnenfinsternis fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden. Heute ist es wieder so weit, wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt. © H. Gebhardt, A. Schmidhuber, A. Schmidt

Seit Menschengedenken fasziniert uns die Sonne. Sie ist Lebens- und Kraftspender, treibt den Winter aus und bringt die Welt zu neuem Leben.

Die vorchristliche Sonnenverehrung spürt man zu manchen Anlässen besonders stark. Zum Beispiel bei den Johannifeuern auch in und um München. Schon vor über 600 Jahren sind Sonnenfeuer in der heutigen Landeshauptstadt dokumentiert. Damals galten sozusagen keine Grenzen: Bürger, Ritter und Herrscher feierten gemeinsam und tanzten zusammen um das Feuer. Daniela Sandner vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege weiß: „Je überrationalisierter und technisierter unsere Welt ist, desto stärker ist das Bedürfnis nach Mystifizierung des Alltags.“ Die Menschen sehnten sich nach demjenigen, was man in unserer „entzauberten Welt“ eben nicht erklären kann, nach Tiefe, „die teilweise auch künstlich hergestellt“ werde.

Klar ist: Die Sonne war und ist so mächtig auf die Psyche der Menschen und so tief verwurzelt, dass sie auch das Christentum nicht „verbieten“ konnte. Die frühen Missionare ersetzten die Sonnenfeste durch christliche Feiertage und deuteten die Sonne als Symbol auf Jesus Christus um. Jesus als „Licht der Welt“. Das Weihnachts-Datum (25.12.) fußt seit dem 4. Jahrhundert auf dem Geburtstag des unbesiegten Sonnengottes im alten Rom, Natalis Solis Invicti. Und Ostern fällt stets auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond.

Wir schauen in ein berühmtes Gotteshaus unserer Stadt: Die mittelalterliche Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt ist so errichtet, dass sie exakt auf der einstigen Ost-West-Achse des Stadtplans liegt. Das prächtige, im 18. Jahrhundert barockisierte Gotteshaus wird zum besonderen Spektakel, wenn bei Tag- und Nachtgleiche (wieder am 23.9.2026 und am 20.3.2027) die Sonnenstrahlen den Altarraum mystisch beleuchten. Auf dem Foto auf dieser Seite ist die Video-Installation „Engel“ von 2019 zu sehen – vielleicht erinnern Sie sich?

Magisch still und vielen unbekannt ist die vielleicht schönste Kugel der Stadt. Die rote, perfekt runde und glatt polierte Skulptur „Large Red Sphere“ im Alten Türkentor zwischen Pinakothek der Moderne und Museum Brandhorst (täglich außer montags von 12 bis 15 Uhr, Eintritt frei) symbolisiert Himmelskörper, Planeten und überhaupt den Kosmos. Wenn die Sonne mitspielt, fallen deren Strahlen durch das große Fenster in den Raum. Und die rote Kugel leuchtet und glänzt.

Weit berühmter und begehrter ist da schon der Monopteros – besonders schön bei Sonnenauf- oder -untergang. Dann strahlt es durch die Säulen hindurch und adelt den Englischen Garten und die Silhouette von Theatiner- bis Ludwigskirche. Das Säulen-Strahlen-Spiel hatte König Ludwig I. gewollt, als er in den 1830ern seinen Hofarchitekten Leo von Klenze mit dem Rundtempel auf dem künstlich aufgeschütteten Hügel beauftragte.

In frühen Kulturen galt der Sonnengott als der Höchste, da er Licht, Wärme und Nahrung (Ernte) beschert. Zum Beispiel bei den alten Ägyptern, Ra oder Re genannt (Asterix-Freunde wissen das). Auch bei den Germanen waren das hohe Feiertage, an denen die Sonnengöttin Sol geehrt wurde. Und allen Zeiten ist gemein, und das bis heute: Die Sonne ist nicht nur Lebens-Elixier, sondern auch der Taktgeber für Struktur, gibt Orientierung und Sicherheit – ohne Sonne kein Kalender – und kein Symbol für Leben (Tag) und Tod (Nacht).MATTHIAS BIEBER

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