Eine Polizeikontrolle in Unterhaching.
Zu schnelle Rennradler sind ein Ärgernis.
Wer hat den besten Startplatz? Radler-Massen an der Ludwigstraße. © dpa/Hartmann/Beisken Hengge
Es ist ein Konflikt im alltäglichen Verkehr, der sich zusehends verschärft und mitunter in rauem Umgangston geführt wird: „Weg da, aus dem Weg“ habe kürzlich eine Gruppe Rennradfahrer im Perlacher Forst gerufen, um sich Platz zu verschaffen, berichtete ein Bürger dem Bezirksausschuss (BA) Untergiesing-Harlaching. Aus seiner Sicht sei rücksichtsloses Fahrverhalten von Radrennfahrern mittlerweile Normalität geworden, die Verkehrsregeln gälten für sie offensichtlich nicht. „Wenn aber auf den Straßen und Wegen regelrechte Radrennen stattfinden, muss die Stadt aus meiner Sicht einschreiten“, findet der Bürger.
So wie dieser Anwohner schätzen immer mehr Menschen die Situation in Harlaching und im Münchner Umland ein. Sobald es die Wetterbedingungen zulassen, schwingen sich viele Sportbegeisterte aufs Rad und machen sich auf in Richtung Süden, die Isar entlang oder eben durch den Perlacher Forst. In den Naherholungsgebieten, aber auch in den umliegenden Straßen kommt es häufiger zu brenzligen Situationen und sogar schwereren Unfällen.
Der BA möchte nun eine große Lösung für das Problem. Aufklärungskampagnen oder eine Anpassung beliebter Routen in Fahrrad-Apps hätten nicht den gewünschten Erfolg gezeigt. Jetzt soll das Anbringen zusätzlicher Schilder und Markierungen geprüft werden, auch Rüttelstreifen oder Umlaufsperren könnten eine Option sein. Weil das Missverständnis vorherrsche, dass Radfahrer auf einigen Straßen Vorrang hätten oder dass es sich um einen „Radschnellweg“ handele, müssten weitere Maßnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit zu erhöhen, sagen die Lokalpolitiker. Auch die Staatsforsten finden, dass etwas passieren muss. Zwar seien alle Erholungssuchenden im Perlacher Forst willkommen. Um die Situation zu entspannen, brauche es allerdings ein rücksichtsvolles Miteinander aller Waldbesucher, teilt man dort mit. Die Forstverwaltung möchte deshalb Hinweisschilder aufstellen, die für ein respektvolles Miteinander auf den Wegen werben.
Die Polizei Unterhaching wählt deutlichere Maßnahmen. Gestern stellte sie sich zu Radl-Kontrollen an die schmale Strecke zwischen München und dem südlichen Landkreis, klärte über richtiges Fahrverhalten auf. Seit Jahresbeginn sind auf der Strecke elf Unfälle registriert worden, im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es fünf. „Das ist ein deutlicher Anstieg“, sagt Polizeihauptmeister Tim Wiedecke. Besonders häufig seien Rennradgruppen beteiligt.
Der Radl-Club ADFC ergänzt, dass die Münchner Straßen nicht für die aktuelle Zahl an Verkehrsteilnehmern ausgelegt sind. „Die Infrastruktur kommt ob der vielen Radfahrer an ihre Grenzen“, sagt der Vorsitzende Andreas Schön. Es brauche mehr Radwege. Der BA möchte zusätzlich einen Runden Tisch einberufen, der alle Betroffenen zusammenbringt und nach gemeinsamen Lösungen sucht.V. SUPPÉ, S. BEISKEN-HENGGE, I. WINKLBAUER