Wolf Gaudlitz und Johanna Woltmann (re.) beklagen das SEV-Chaos an der Donnersbergerbrücke. © Götzfried, Bieber
Wolf Gaudlitz (71) ist Schauspieler und Regisseur, ehrenamtlich engagiert und kümmert sich um Johanna Woltmann (86). Die Münchnerin ist geistig topfit, aber fast blind. Zusammen haben sie einen schlechten Film auf der Donnersbergerbrücke erlebt. Regie: die DB Regio Bus.
Weil die Linie S 6 Richtung Starnberg wegen Bauarbeiten zwei Wochen lang bis Donnerstag gesperrt war, verkehrten Ersatzbusse ab Hauptbahnhof. Problem: Gerade an den Wochenenden zieht’s die Leute aufs Land. Doch es fahren zu wenig Busse, zu kurze – und die sind rappelvoll.
Die Seniorin und ihr Begleiter stehen am vergangenen Sonntag vorn an der Haltestelle. Es ist drückend heiß. Der da schon volle Bus fährt um kurz nach zwölf ein. Dutzende warten draußen. Der Fahrer öffnet nur die hintere Tür. Auf Klopfen gegen die Scheibe reagiert er nicht. Gaudlitz stellt sich vor den Bus, bis der Fahrer schließlich die Vordertür öffnet. Drinnen: Ölsardinen-Atmosphäre im Hochofen. Niemand steht auf, um der blinden Seniorin einen Platz anzubieten. Den Busfahrer sei das alles nichts angegangen, so Gaudlitz und Woltmann.
Die Seniorin begibt sich am Mittwoch von ihrem Wohnort am Harras zum Hauptbahnhof, um sich im S-Bahn-Kundencenter zu beschweren. Telefonisch hatte sie keine Chance – alles nur noch per KI, Weiterleitungen und schließlich entnervte Aufgabe. Vor Ort schildert sie höflich ihr Anliegen und wird von einer freundlichen Angestellten der S-Bahn/DB angehört. Die junge Dame füllt ein Formular mit der Beschwerde aus („Sonntage sind Tage, an denen am meisten los ist. Es wurden zu wenig Busse eingesetzt“, steht da etwa).
Auf Anfrage schreibt die Bahn: „Grundsätzlich sind alle Fahrer angehalten, sich allen Fahrgästen gegenüber möglichst rücksichtsvoll und hilfsbereit zu verhalten. Ein gesetzlich geregelter Anspruch auf einen Sitzplatz ergibt sich daraus nicht.“ Der DB lägen „insbesondere auch die Bedürfnisse von Reisenden mit Mobilitätseinschränkungen am Herzen“. Man verfolge den Fall weiter.
Weitere Opfer waren auch die Münchnerin Resi A. (73) und ihr Sohn. Sie ist empört. „Ich habe mit meiner Krücke durch die Luft gewedelt, mein Sohn hat mit seinem Schwerbehindertenausweis gewinkt, aber der Busfahrer hat überhaupt nicht reagiert.“ Dieses Verhalten sei „unsäglich, ja unmenschlich“, sagt sie. „Dieser Fahrer gehört weg, auch wenn wir eh schon zu wenige haben.“M. BIEBER