Andrea Stadler-Bachmaier vom Bezirksausschuss.
Seit über zwei Jahren nutzen Filmfirmen eine Wohnung.
Angela Horbach-Wilson vor der Dauer-Parkstelle im Lehel, die wegen Dreharbeiten unter anderem für „Pumuckl“ (kl. Foto) eingerichtet wurde. © Götzfried (2), privat, Constantin Film/obs
Es ist immer wieder das gleiche Bild, das sich Angela Horbach-Wilson (82) von ihrem Balkon bietet: Lkw reihen sich an Lkw, Transporter an Transporter. Dabei wohnt sie mitten im idyllischen Lehel, in der Thierschstraße. Doch hier finden in einem Gebäude regelmäßig Dreharbeiten statt – von verschiedenen Firmen für unterschiedliche Produktionen, unter anderem auch für den „Pumuckl“.
„Seit über zwei Jahren wird ein ganzer Straßenzug ständig in Beschlag genommen“, klagt die Politikwissenschaftlerin. „Hier sieht es aus wie in einem Gewerbegebiet, und die Sperrungen nehmen etliche Parkplätze weg.“ Sie habe nichts gegen die Produktionsfirmen, betont sie. „Pumuckl schaut ja jeder gerne – auch meine Enkel. Man soll ja die Filmindustrie auch unterstützen. Aber nicht so! Ich kritisiere, dass die Stadt München das unterstützt.“
Auch im Bezirksausschuss Altstadt-Lehel sind die Dreharbeiten schon Thema gewesen. „Uns ist das Problem bekannt. Wir unterstützen das Anliegen der Anwohner, weil gerade im südlichen Lehel der Parkdruck besonders hoch ist“, sagt die Vorsitzende Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne). Man habe das Problem auch schon mehrfach bei der Stadt angesprochen, bislang ohne Erfolg. „Die Rechtslage ist leider so. Aber wir würden uns etwa wünschen, dass die Parkplätze zwischendurch freigegeben werden könnten, wenn die Firmen diese nicht die komplette Zeit der Genehmigung nutzen. Oder dass die Anwohner zum Ausgleich in der nahegelegenen Steinsdorferstraße statt nur nachts auch tagsüber parken können.“
Zudem, kritisiert die Politikerin: „Wenn das für die Dreharbeiten genutzte Gebäude größtenteils leersteht, werden Flächen dem Mietmarkt entzogen.“
Das Mobilitätsreferat bestätigt, dass dort schon seit über zwei Jahren immer wieder Dreharbeiten stattfinden. „Dies ist korrekt, es finden dort innenliegende Filmaufnahmen auf Privatgrund statt“, heißt es auf Anfrage. Die Produktionen nutzten das Gebäude als sogenanntes Festmotiv. Bei wiederkehrenden Produktionen würden immer wieder dieselben Örtlichkeiten benötigt, die dem Publikum bereits bekannt sind – etwa die Wohnung einer TV-Kommissarin. „Auf die Auswahl der Festmotive hat die Stadt keinen Einfluss, dies liegt in der Zuständigkeit der Filmproduktionen.“
Aber kann die Stadt nicht die Dauer der Parkverbote beschränken? Zuständig für die Genehmigung mobiler Haltverbots-Zonen im öffentlichen Straßenraum ist das Servicebüro Film im Mobilitätsreferat. Dessen Aufgabe ist laut Referat, „die unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten so gut wie möglich in Einklang zu bringen“. So werde „stets geprüft, ob der Wunsch von Filmproduktionen in Bezug auf Haltverbote zeitlich und räumlich reduziert werden“ könne. Dennoch werden sich Beeinträchtigungen nicht immer vermeiden lassen.
Und weiter: „In vielen Fällen werden die beantragten Haltverbote bereits im Vorfeld erheblich gegenüber den Vorstellungen der Produktionsfirmen reduziert. Im aktuellen Fall ist lediglich der Technik-Fuhrpark auf öffentlichem Grund abgestellt. Für den Basisfuhrpark wurde seitens der Filmproduktion eine Privatfläche in unmittelbarer Nähe angemietet.“
Anwohnerin Horbach-Wilson hofft, dass in dem Gebäude bald Wohnungen entstehen und die Dreharbeiten Geschichte sind. Sie lebt seit über 60 Jahren im Lehel. „Und das sehr gerne, das Viertel ist wahnsinnig schön.“NINA BAUTZ