Tour in atemberaubender Landschaft. Auch bei Susi ist alles im Fluss.
Am Georgenstein springen Buben ins Wasser.
Unser Reporter Achim Schmidt und sein orangenes Brett.
Am Ickinger Wehr startet der sportliche Ausflug. Die Strecke nach Thalkirchen auf Münchner Stadtgebiet beträgt gut 20 Kilometer. © Achim Schmidt (4)
Wir treffen uns ganz vorne in der S7: Freddy, Susi, Mona, Georg, Hütti und ich. Ich? Ich bin der Achim. Fotograf bei Merkur und tz. Unser Ziel: Icking – und von dort auf die Isar, die Reißende, unsere Lebensader in diesem heißen Sommer. Wir kennen den Fluss, haben uns schon oft hinabgleiten lassen. Aber noch nie als Steh-Paddler auf unseren Boards. Das wollen wir heute unbedingt mal ausprobieren.
Natürlich läuft mit der S-Bahn nicht alles so wie geplant, aber nach einer Weile haben wir es geschafft – und stehen am Ickinger Wehr. Von dort wollen wir starten. Nun heißt es erst einmal: Aufpumpen der Bretter. Das ist bei mehr als 30 Grad schweißtreibender als gedacht. Wir freuen uns auf das kühle Nass der Isar. Und staunen, wie viel davon den Fluss hinabrauscht – trotz wochenlangen Regenmangels. Offenbar haben sie am Sylvenstein die Schleusen geöffnet. Jedenfalls ist in der Reißenden was los.
Die Landschaft am Startpunkt ist atemberaubend. „Bayerisch Kanada“ nennen manche die Gegend. Verständlich. Fichtenwälder und Auwald, sattgrüne Weiden und blühende Sträucher. Dazu funkelnder Kies, Sandbänke. Isarflimmern halt. Über uns: stahlblauer Himmel. Für einen Moment könnte man vergessen, dass wir gerade einmal eine halbe S-Bahn-Stunde von München entfernt sind.
Freddy hat Flussfinnen besorgt, die flacher sind als normale SUP-Finnen. Leider nicht genug für alle. Eine Finne stabilisiert das Board, sorgt aber gleichzeitig für mehr Tiefgang. Und damit für ein Problem: Sie setzt schneller auf – oder verfängt sich in Wurzeln. Und davon gibt es in der Isar reichlich. Dazu kommen immer wieder Kiesbänke, die zu flach zum Darübergleiten sind. Wenn es unter dem Board kratzt, heißt es: runter vom Brett, es unter den Arm klemmen und tragen.
Unser Ritt auf dem Fluss ist kein Kindergeburtstag. Höchste Konzentration ist angesagt. Immer wieder müssen wir umgestürzten Bäumen oder anderem Treibgut ausweichen. Manchmal ragen Äste aus dem Wasser. Gefährlich. Die Strömung macht sowieso, was sie will – und treibt einen gerne genau dorthin, wo man auf keinen Fall hinwill. Es kommt, wie es kommen muss: In einer engen Flussbiegung zieht es mich in eine Ansammlung von Treibholz. Ich paddle wild dagegen an, versuche, das Board herumzureißen – und verliere das Gleichgewicht. Platsch! Mein Schienbein kracht gegen einen Ast unter der Wasseroberfläche. Ich schlucke ein bisschen Wasser, während die Strömung mich weiterzieht. Ein paar Sekunden später bin ich wieder im Freien, kein Holz mehr. Alles gut gegangen! Ich fische mein Paddel aus dem Fluss, stemme mich wieder auf mein Board. Weiter geht’s.
Wenig später ist Zeit für den Einkehrschwung im Bruckenfischer. Wenn ein Biergarten so genial liegt, kann man kaum dran vorbeifahren. Keine 20 Meter vom Fluss entfernt, direkt vor der Schäftlarner Brücke, stärken wir uns unter alten Kastanienbäumen. Alkoholfrei natürlich. Die Tücken der Isar haben wir inzwischen kennengelernt. Und noch liegen einige Stunden auf dem Wasser vor uns. Wir genießen die tiefer stehende Sonne. Es ist nicht mehr ganz so heiß, die Bäume werfen lange Schatten aufs Wasser. Enten fliegen vor uns auf, Gänsesäger ziehen in Scharen vorbei, Schwäne am Ufer lassen sich von uns nicht beeindrucken. Am markanten Georgenstein, einst ein gefährliches Hindernis für die Flößer und heute beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger, springen Jugendliche in die Isar. An dieser Stelle ist der Fluss tief. Wir lassen uns weiter treiben. Traumhaft.
Wenn die Isar zu träge wird, paddeln wir ein bisschen. Bei Baierbrunn umtragen wir ein Wehr, ein paar Kilometer weiter, bei Großhesselohe, gleich noch eines. Dazwischen übernimmt die Strömung. Langsam, aber zuverlässig schiebt sie uns Richtung München. Die Menschen am Ufer werden mehr. Hin und wieder wabern Musikfetzen von Lautsprechern zu uns herüber. Dazu liegt der Geruch von Feuer und Grillfleisch in der Luft. Unsere Mägen knurren.
Dann sehen wir die Tierparkbrücke. Hier ist Schluss mit unserer Tour. Ein paar Meter weiter, spätestens ab dem Flaucher, ist das Bootfahren ohnehin nicht mehr erlaubt. Wir steuern das Ufer an, packen die SUPs zusammen und laufen die wenigen Meter zur U-Bahn. Unser Fazit: Es war ein herrlicher Isar-Ritt. Aber auch nicht ungefährlich. Für Ungeübte ist vor allem das obere Teilstück bis Schäftlarn mit viel Vorsicht zu genießen (Schwimmweste!). Für Nichtschwimmer sowieso ein Tabu.ACHIM SCHMIDT