Polizeischuss: Opfer erst 14!

von Redaktion

Bub trug Soft-Air-Waffe bei sich – Einsatz wird untersucht

Polizeisprecher Thomas Schelshorn zeigt die Soft-Air-Waffe des Teenagers (links) und eine echte Beretta. © I. Winklbauer

Die Polizei sichert den Tatort an der Haltestelle Clemensstraße. © dpa

Ein Verdächtiger richtete ein Ding, das wie eine Waffe aussah, auf Polizisten – deshalb gab einer der Beamten einen Schuss ab und verletzte den Bewaffneten schwer. Dieses Drama spielte sich am Dienstagabend auf der Belgradstraße in der Nähe des Kurfürstenplatzes ab (wir berichteten). Jetzt lieferte die Polizei mehr Informationen zu dem Fall. Demnach war das Opfer ein 14-jähriger Schüler türkisch-kurdischer Herkunft aus dem Landkreis Miesbach. Und der bedrohliche Gegenstand, mit dem er hantierte, war eine täuschend echt als scharfe Waffe gestaltete Soft-Air-Pistole.

„Die Soft-Air-Waffe sah einer Beretta zum Verwechseln ähnlich“, erklärte Polizeisprecher Thomas Schelshorn gestern bei einer Pressekonferenz. Um die Ähnlichkeit zu demonstrieren, zeigte er sowohl ein Foto der beschlagnahmten Pistole des Teenagers als auch ihres gefährlichen Vorbildes, einer Beretta 92 FS. Die Soft-Air-Waffe lasse sich auch repetieren wie die Beretta, so Schelshorn weiter.

Denn genau dieser Vorgang war es, der die Polizisten in Alarm versetzte: Der Verdächtige, der vor ihnen ging, machte Bewegungen, als würde er nachladen. „Polizei! Waffe fallen lassen!“, forderten die Beamten in Zivil ihn laut und deutlich auf. Doch statt dem Folge zu leisten, drehte sich der 14-Jährige mit erhobener Waffe um. Für einen der Beamten genügte das, um den Beschluss zu fassen, sich selbst zu schützen. „Der Kollege gab einen einzelnen Schuss ab, der den Verdächtigen in den Oberkörper traf“, erklärte Schelshorn. Der 14-Jährige sei nun in einem Krankenhaus und in stabilem Zustand. Wann er vernommen werden kann, sei noch unklar.

Die Polizisten hatten nach einer bewaffneten Person gefahndet, weil ein Zeuge am Hohenzollernplatz beobachtet hatte, wie der 14-Jährige mit seiner Waffe herumspielte. Fatal: In seiner Meldung an die Polizei habe der Zeuge den Jungen als ungefähr 20 Jahre alt beschrieben. „Wir sind von einer älteren Person ausgegangen“, so Schelshorn. Zudem sehe der Teenager, der in Begleitung einer ungefähr 14-jährigen Freundin unterwegs war, älter aus.

Das Landeskriminalamt untersucht nun unter der Leitung der Staatsanwaltschaft München I in einem Vorermittlungsverfahren, ob der Einsatz der Waffe rechtmäßig war. „Dabei gilt der Beamte, der den Schuss abgegeben hat, als Zeuge“, stellt Schelshorn klar, „es wird bisher nicht gegen ihn ermittelt.“ Sobald der Kollege sich von dem Schock erholt habe – er ist derzeit in psychologischer Betreuung – könne er theoretisch sofort wieder arbeiten.

Laut Polizei ist der 14-Jährige polizeilich bekannt. Der Junge mit türkischer Staatsbürgerschaft kam 2023 mit seiner kurdischen Familie als Asylbewerber nach Deutschland. Gegen ihn liefen aktuell Ermittlungen wegen Körperverletzung. Ihm sei bereits die Abschiebung angedroht worden.TIMO BETZ, ISABEL WINKLBAUER

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