Kein Zweifel an der Täterschaft

von Redaktion

Justiz: Bernd V. für Brandanschlag auf jüdisches Altenheim im Jahr 1970 verantwortlich

War wohl ein Einzeltäter: Bernd V.

Kurt Benzinger ging mit dem Attentäter zur Schule.

Eine Bewohnerin des Altenheims wird mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus transportiert.

Am 13. Februar 1970 kam es zu dem Brandanschlag auf das jüdische Altenheim. © Barfknecht/dpa (2), Hermsdorf-Hiss

Es war eines der furchtbarsten Attentate der Nachkriegszeit – doch jahrzehntelang wurde es verdrängt. Erst vor einem Jahr kamen die Ermittlungen so richtig neu ins Rollen, und nun steht fest: Bernd V. hatte als Einzeltäter 1970 den Brandanschlag auf das jüdische Altenheim an der Reichenbachstraße verübt. Das teilte gestern die Generalstaatsanwaltschaft in München mit. Fünf Männer und zwei Frauen zwischen 59 und 71 Jahren starben damals in den Flammen. Sie alle hatten den Holocaust überlebt. 15 weitere wurden verletzt.

„Wir sprechen hier von einem der schwersten Anschläge gegen jüdisches Leben seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Oberstaatsanwalt Andreas Franck, Antisemitismusbeauftragter der bayerischen Justiz. Der Fall sei eine „Wunde in der jüdischen Seele“ gewesen, aber auch in der deutschen. Das nun vorgelegte Ergebnis leiste hoffentlich einen Beitrag zu einem Rechtsfrieden, auch wenn für den verstorbenen Verdächtigen die Unschuldsvermutung gilt. Anhaltspunkte für weitere Tatbeteiligte wurden nicht gefunden.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, bezeichnet es als „wichtig und wertvoll“, dass es endlich eine Antwort auf die Frage gebe, wer den Anschlag verübt hat. Aber: „Es schmerzt mich sehr, dass der mutmaßliche Täter nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden kann.“

1970 war der Täter 25 Jahre alt – doch belangt werden kann er nicht mehr. Bernd V. starb 2020. Dass er rechtsextrem und antisemitisch war, war schon damals bekannt. Aber es habe keinen konkreten Tatverdacht gegeben, nur Indizien, die nicht für einen konkreten Tatverdacht reichten, hieß es damals.

Im April 2025 wurde das 2017 vom Generalbundesanwalt eingestellte Verfahren wieder aufgenommen, nachdem sich eine glaubhafte Zeugin gemeldet hatte. Ein Verwandter habe engen Kontakt zu V. gehabt. Der soll am Abend des Tattags in der Nähe des Altersheims gesagt haben, dass er „die Juden anzünden“ wolle. Eine Viertelstunde später brannte das Gebäude. In kürzester Zeit loderten die Flammen bis hoch zum Dachgeschoss, dazu kam viel Rauch.

Unsere Zeitung hatte einen weiteren Zeugen aufgetrieben. Kurt Benzinger und Bernd V. gingen zusammen zur Schule. Benzinger erinnert sich gut an seinen einstigen Mitschüler, den er nach der Schulzeit aus den Augen verloren hatte: „Bernd war ein böser Junge, ein Außenseiter“, sagte er uns im Februar 2026. Der Sohn einer Münchner Zahnarztfamilie habe „eine völlig desolate Erziehung“ gehabt. Er gab permanent judenfeindliche Sprüche von sich und riss abscheuliche antisemitische Witze.

Der neu aufgeflammte Verdacht der Ermittler gegen Bernd V. hatte sich auch durch Ermittlungen im Umfeld des mutmaßlichen Täters erhärtet. Zeugen hätten ihn als Antisemiten mit „Hitler-Tick“ beschrieben. Er habe Reden von Adolf Hitler auf Schallplatten angehört und Schießübungen am Obersalzberg gemacht, führten die Ermittler aus. Den Angaben nach wurde er in den 60er-Jahren zu einer Jugendstrafe verurteilt, weil er zwei Telefonhäuschen in München mit Sprengstoff zerstört hatte. Eine Schulleiterin habe von einem Streit erzählt, bei dem er einen von seinem Vater geschenkten Dolch der Hitlerjugend eingesetzt habe. Auch ein erstelltes Täterprofil passe laut Ermittlern zum Verdächtigen. Die Ergebnisse sprächen „deutlich für eine Täterschaft“. Nach Informationen des „Spiegel“ hatte die Justiz wegen des Anschlags bereits 1972 gegen den Neonazi ermittelt. Bei einer Vernehmung soll V. die Vorwürfe bestritten haben.

Kabarettist Christian Springer von der Initiative Schulterschluss, die an den Anschlag erinnert, äußert indes Zweifel an der Einzeltätertheorie: „Ich kann mir auch eine gemischte Tätergruppe sehr gut vorstellen.“ Seine Bitte: „Mitwisser, Zeugen, meldet Euch!“MBI/DPA

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