Ein Polizeisprecher zeigt die Softair-Waffe (links) und eine echte Beretta 92. © S. Dobel
Die Polizei gab am Dienstag auf der Belgradstraße in Schwabing einen Schuss auf einen 14-jährigen Schüler ab, der mit einer täuschend echt wirkenden Soft-Air-Waffe hantiert hatte. Nachdem die Familie des türkischen Jungen aus dem Landkreis Miesbach und das Kurdische Zentrum am Mittwoch lückenlose Aufklärung gefordert hatten, stützt nun auch die Linke dieses Anliegen. Der Fall reihe sich ein „in eine Serie von Fällen, in denen bayerische Polizeibeamte potenziell (…) tödliche Gewalt angewendet haben“, sagt der Münchner Kreissprecher Johannes König. Die Partei fordert Ermittlungen gegen den Schützen.
Was war passiert? Laut Polizei hatte einer von zwei Beamten in Zivil (die dem verdächtigen Jugendlichen folgten) sich entschlossen, zur Selbstverteidigung einen Schuss abzugeben – nachdem der Bub Durchlade-Bewegungen gemacht und sich mit erhobener Waffe zu den Polizisten umgedreht hatte. Der 14-jährige Abdülkadir O. wurde durch den Schuss schwer verletzt und liegt nun, außer Lebensgefahr, im Krankenhaus. Die Familie und das Kurdische Zentrum erklärten dagegen, der Teenager habe nach Aufforderung der Polizei die Soft-Air-Waffe niedergelegt und gesagt: „Es ist eine Spielzeugwaffe! Nicht schießen!“ Ihm sei aber trotzdem in den Bauch geschossen worden.
Die Staatsanwaltschaft klärt nun in einem vorerst neutralen Vorermittlungsverfahren, was geschah. „Uns liegen Videos vor, auf denen die Situation bis kurz vor der Schussabgabe zu sehen ist“, so Sprecherin Juliane Grotz. Abdülkadir O. sei bislang nicht vernommen worden, seine gleichaltrige Begleiterin und weitere Zeugen aber schon.ISABEL WINKLBAUER