MÜNCHNER FREIHEIT

Das Gesetz der Ferienwohnung

von Redaktion

Manche sagen Urlaub dazu. Ich dagegen bezeichne es als Feldversuch. Er läuft seit über 50 Jahren. Jedes Jahr im Sommer steuere ich ein neues Ziel an, um festzustellen, was woanders ganz anders ist – und was überall gleich. Manche Entdeckung wünsche ich mir sofort nach Deutschland, den billigen Espresso an der Bar aus Florenz zum Beispiel. Andere Dinge vermisse ich hier gar nicht, zum Beispiel, wenn das Wasser aus dem Hahn nach Chlor schmeckt. Das Schönste am Heimkommen ist nämlich immer noch das erste Glas Münchner Trinkwasser. Gerade deshalb muss man sorgsam damit umgehen.

Mein Feldversuch betrifft aber nicht nur Land und Leute, sondern auch die Unterkünfte. Über die Jahre habe ich mir ein paar ungeschriebene Gesetze erarbeitet, die in jeder Ferienwohnung gelten. Zum Beispiel: Angebrochene Lebensmittelpackungen will niemand vom Vormieter übernehmen, Salz, Pfeffer, Essig und Öl dagegen schon. Dabei könnte der Vormieter, wenn er ein rechter Ungustl ist, doch auch damit einen Schabernack getrieben haben (ach, diese fast vergessenen Wörter – einfach famos!).

Ein Gesetz der Ferienwohnung verstehe ich allerdings nicht. Scheinbar müssen in jeder Urlaubsunterkunft der Welt die Messer stumpf sein. Dabei weiß doch jeder: Man schneidet sich nicht an scharfen Messern, sondern an stumpfen, weil man mit denen von der Tomate abrutscht und dann (buchstäblich!) im Handumdrehen für ein anderes Rot auf der Arbeitsfläche sorgt. Ich habe Beweisvideos. Aber verblüffend: Der Mieterschutzbund schweigt zu diesem Thema. Was also tun als Koch auf Reisen? Nur Reis kochen, weil man den nicht schneiden muss?

Meine Antwort: Lieber vom Gernstl lernen! Der unerreichte Münchner Filmemacher hat vor Kurzem ein Buch veröffentlicht, in dem er von seinen Reisen auf der Suche nach dem Glück erzählt. Ein besonders schönes Detail darin: Franz Xaver Gernstl war immer genervt von den verkalkten Duschköpfen in den Hotelzimmern des Landes. Deshalb reiste er grundsätzlich mit seiner eigenen Handbrause im Gepäck. Der Gernstl, für den ich mehrere Jahre arbeitete und der mir – das wissen vor allem in Mitteleuropa sehr wenige Menschen – meine Champignonbürste schenkte, bleibt mir ein Vorbild: Bei meinem nächsten Urlaub nehme ich einfach meinen Messerschleifer mit. Das wird die schärfste Reise meines Lebens. Und wenn es eng wird im Koffer, dann muss halt die Champignonbürste zu Hause bleiben.

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