Heiße Debatte um die Ludwigstraße

von Redaktion

Bäume für den Münchner Prachtboulevard: Das sagen unsere Leser zu den Neugestaltungsplänen

Blick von der Feldherrnhalle. In der Visualisierung zieren Bäume das Siegestor.

Eine grüne Flaniermeile auf wäre nicht nach jedermanns Geschmack. © MDP (2)

Kulturhistorisches Vermächtnis: Soll die Ludwigstraße so bleiben, wie sie ist, oder umgestaltet werden? © Frank Hoermann/SVEN SIMON/Picture Alliance

Die Umbaupläne für die Ludwigstraße sorgen für Aufruhr. Nach unserem Bericht über das Vorhaben eines Pariser Landschaftsarchitekturbüros, Münchens Prachtboulevard mit Bäumen zu säumen, kochen die Gemüter hoch: Das kulturhistorische Vermächtnis von König Ludwig I. werde durch Bäume zerstört, wettern die Gegner. Die Prunkstraße sei ohne Stadtgrün nichts weiter als eine heiße Betonwüste, halten die Befürworter dagegen. Rückenwind kommt vom Städtetag-Präsidenten Burkhard Jung (SPD), der ein Umdenken bei der Verkehrsplanung fordert: Jeder Baum sei ein Segen für die Stadt.

Auch Sie, liebe Leser, haben fleißig zum Thema geschrieben. Unsere Redaktion haben zahlreiche E-Mails erreicht, die den Plan strikt ablehnen – viele mit Verweis auf Grünflächen in der Nachbarschaft. „Warum soll diese Straße unbedingt mit hunderten Bäumen zerstört werden, wenn gleich nebenan der riesige Englische Garten ist?“, schreibt etwa Robert Renner. „Diese Prachtstraße muss als solche erhalten bleiben!“, fordert Edeltraud Lioba Miller.

Regelrecht empört ist Brigitte Wagner: „In München wird mit der geplanten Eggartensiedlung und dem riesigen Bauvorhaben im Norden Münchens wertvolles Grün, Ackerflächen und Frischluftschneisen zerstört. Dafür sollen jetzt Bäume die Ludwigstraße verunstalten!“ Hermann Vogel schlägt stattdessen vor, eine Begrünung der Nebenstraßen zu prüfen. Und Ellen Liebhardt verweist auf die hohe Dichte an Ministerien – und fragt: „Was will man da flanieren, wenn es außer Sandsteinfassaden nichts zu sehen gibt?“

Doch es gibt auch viel Zuspruch. „Wir kommen nicht umhin, uns dem Klimawandel anzupassen. Man vernichtet ja nicht die schönen Gebäude, sondern erhöht die Lebensqualität“, findet Iris Häge. Albrecht Müller sieht das ähnlich: „Kein Mensch geht freiwillig an den wunderschönen Prachtbauten vorbei, weil der Verkehr halt alles dominiert. Mit Baumbewuchs und Begrünung wird die Architektur nicht gänzlich zerstört, nur ein wenig unterbrochen.“

Wolfgang Langner betont, dass die von den Projektgegnern als Vorbild herangezogene Champs-Élysées in Paris „seit Jahrzehnten links und rechts von Bäumen flankiert“ sei. Der Vergleich mit Paris hinke, findet auch Birgit Gangfuss: „Die Straße in Paris ist eine wirkliche Prachtstraße, da sie ja mehr als doppelt so breit ist wie die Ludwigstraße.“ Die diene hauptsächlich den schicken Cabrios.

Maria Anna Strietzel bezieht sich auf die von den Kritikern viel zitierten verstellten Sichtachsen: „Dann haben die zwei großen Hochhäuser, die im Norden hinter dem Siegestor aufragen, die Sichtachse leider für immer zerstört.“ Und Architekt Helmut Vollmann betont, dass in einer pluralistischen Gesellschaft Kompromisse nötig seien: „Auch ein historisches Erbe muss nicht unantastbar sein, wenn man darin leben will oder muss.“D. POHL

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