MÜNCHNER FREIHEIT

Zu Gast bei den alten Rittersleut‘

von Redaktion

Neulich ging ich auf Zeitreise. Was ist dafür geeigneter als das Bayerische Nationalmuseum!? Dort kannst du nicht nur Kunst entdecken, sondern auch Volkskunst, Kunsthandwerk, Architektur und Designobjekte. Das Schatzhaus ist immer einen Besuch wert, aber so richtig angestachelt wurde ich durch den Artikel über „Kuckuckseier“ in unserem Kultur-Teil. Werke von heute hätten sich zwischen die Altertümer geschmuggelt. Außerdem, ich gestehe es, hatte ich die drei neu eingerichteten Mittelalter-Säle noch nicht gesehen.

Mein Vorsatz, mich locker-flockig durch die Räume zu bewegen und nur meine „Ziele“ anzusteuern, zerbröselte in dem Moment, als ich die Mittelalter-Abteilung betrat. Schon der erste Blick auf die erste große Kreuzigungsgruppe, die so schlicht wie imposant ist, so sehr ans Herz rührt, wie sie geschunden ist, bremste mich aus. Also stehen bleiben, Gemüt und Seele bewegen lassen, das Kreuz schlagen, denn die Spiritualität der sakralen Kunst verschwindet nicht im Museum. Weniger empfand ich sie zum Beispiel bei dem Bergkristall-Kreuz, das großartig ist, weil die schlichte Form eine geradezu moderne Gestaltung ergibt. Daneben die verspielten Arbeiten, die in Elfenbein oder Holz üppig und oft theatral biblische Geschichten erzählen – wunderbar!

Ich riss mich los, schließlich warteten die alten Rittersleut’ auf mich (Saal 3). Für sie wurde eine Art Rund-Kapelle toll restauriert. Schon beim Ur-Konzept des Nationalmuseums zählten Farbe, Ambiente, Stimmung. Die Besucher sollten die Exponate in einer authentisch anmutenden Umgebung erleben. Heute heißt das schick: „immersiv“. Die Grabplatten der Adeligen von einst umringen einen nun in einem Kuppelbau.

Rund geht’s ebenfalls im nächsten Saal in der intimen Kirchenapsis mit feinem Engel-Fresko. Mit ihm konkurrieren die strahlend in Szene gesetzten Kirchenfenster, die so farbstark sind; sie könnten heuer gefertigt worden sein, dachte ich.

Auf meiner Reise war ich in der Zeit um 1400 angekommen. Der Goldgrund leuchtet auf den Altartafeln mit höchst eleganten Figuren, die selbst im größten Schmerz höfische Contenance bewahrten. Sympathischer, um ehrlich zu sein, ist mir in diesem Umkreis die „Seeoner Madonna“. Klar, der anonyme Meister zeigt sie als Himmelskönigin. Sie trägt Krone, ist üppig gekleidet und sitzt auf einer nobel gepolsterten Bank; trotzdem ist sie halt Mama. Eine, die ihr lebhaftes Buberl irgendwie festhalten muss. Ähnlich mütterlich empfing mich der ebenfalls „neue“ Saal 7, der den Frauenklöstern gewidmet ist. Freud und Leid von Maria sind zeitlose Themen – nicht nur für Nonnen und Mütter.

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