MÜNCHNER FREIHEIT

Einen Schatten haben

von Redaktion

Was gibt es Schöneres, als an einem richtig heißen Sommertag in einem Biergarten zu sitzen und unter einer oder mehreren hohen Kastanien den Schatten zu genießen? Es ist nicht so „erdrückend“ wie unter Sonnenschirmen und man hört immer ein leichtes Rascheln der Blätter. So lässt es sich gut aushalten. Derlei Oasen gibt es in München viele und die größte ist wohl der Englische Garten, mit dem Schatten spendenden alten Baumbestand.

Solche Plätze suche ich mir bei Hitze gerne. Also habe ich auch kein Problem, wenn unsere Prachtstraßen oder die Fußgängerzone keine Bäume haben, die ich mir als Unterstand suchen kann. Bei Temperaturen über 30 Grad flaniere ich generell nicht oder gehe zum Shoppen. Was auch? Kleidung klebt am Körper, Schuhe sind wegen dicker Füße zu klein, Parfüm riecht auf verschwitztem Körper nicht gut und so weiter. Auch kulturhistorische Vermächtnisse und Prachtbauten bestaune ich nicht. Also in unserer Stadt.

Doch wenn ich im Urlaub bin, dann ist mir die pralle Sonne wurscht. Käppi auf dem Kopf, Wasserflasche in der Hand, Turnschuhe an den Füßen und schon ist mir kein Platz, keine Prunkstraße und keine Einkaufsmeile zu heiß: Der Dom von Siena und die Plaza de Espana in Sevilla oder die Place de la Défense und der Arc de Triomphe in Paris. Kein Baum weit und breit. Da wundert es mich schon, dass das Pariser Landschaftsarchitekturbüro MDP den freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil zur Neugestaltung der Münchner Ludwigstraße gewonnen hat. Deren Vorschlag: Unseren Prachtboulevard mit Bäumen säumen. Bei uns also die Ideen verwirklichen, die sie in ihrer Heimatstadt vielleicht nicht umsetzen konnten? Dabei möchte ich weder gemein noch sarkastisch klingen. Ich denke da nur eher über die Umsetzung nach. Wenn Bäume sofort Schatten spenden sollten, dann müssten sie schon eine dementsprechende Größe haben.

Ich hab mir mal diverse Baumarten angeschaut, die a) schnell wachsen und b) großblättrigen Schatten spenden könnten. Dabei fiel mir zum Beispiel der Kugeltrompetenbaum auf. Aber er muss, wie so viele andere „Kollegen“, auch im Halbschatten stehen. Wie soll das denn gehen, wenn er doch derjenige sein soll, der spendet? Richtig große Bäume müssen 10 bis 15 Meter von Gebäuden entfernt gepflanzt werden. Die Ludwigstraße ist 37 Meter breit. Fußgänger und Rad(renn)weg zwischen Bäumen und Fassade? Nur noch eine zweispurige Straße? Oder gleich eine Fußgängerzone von Feldherrnhalle bis Von-der-Tann-Straße? Diese Kosten, wo doch der Stadtsäckel leer ist.

Ich mach es mir jetzt mal einfach: Schon für zehn Euro gibt es Regenschirme mit UV-Schutz, die in jede Handtasche passen. So kann man sich immer seinen eigenen Schatten spenden und auch vor „flüssig“ scheinender Sonne schützen. Wie heißt das berühmte Sprichwort? „Jeder ist seines Schattens Schmied!“

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