Drogenfahnder Robert Graf vom LKA. © Anita Hehl
„Kokain ist auf jeden Fall das Thema, das uns am meisten umtreibt“, sagt Robert Graf (49), stellvertretender Rauschgift-Dezernatsleiter beim Landeskriminalamt Bayern. Was auffällt: Die Protagonisten werden „immer jünger und immer mehr“, erklärt der Kriminaloberrat – sowohl bei den Käufern als auch bei den Verkäufern der illegalen Droge. Dazu kommt der gefallene Preis: Aktuell kostet ein Gramm Kokain „nur“ noch rund 70 Euro. „Das können sich dann natürlich auch immer mehr Menschen leisten.“ Eine Luxus-Party-Droge sei Kokain deshalb schon längst nicht mehr.
Gleichzeitig sei der Wirkstoffgehalt von Kokain immer stärker gestiegen. „Das Kokain ist qualitativ sehr hochwertig und vergleichsweise günstig. Deswegen werden immer mehr Menschen zum Konsum verleitet“, sagt Robert Graf. Der Mix ist nicht selten tödlich: Mittlerweile habe Kokain beinahe Heroin als Ursache für Rauschgifttode erreicht. Zunehmend steigen aber auch Konsumenten in den Handel ein: „Sie wollen von den Gewinnmargen profitieren“, berichtet der Fahnder.
Dass hunderte Kilo Koks sichergestellt werden: längst keine Seltenheit mehr. Vor Jahren waren solche Mengen noch undenkbar. „Solch große Mengen liegen zum einen an der gestiegenen Nachfrage“, sagt Graf. „Zum anderen wird Kokain heute massiv überproduziert im Hauptanbauland Kolumbien.“ Auf 200.000 Hektar werde die Droge dort angebaut – das ist etwa die Fläche des Saarlands. „Geerntet wird mittlerweile öfter im Jahr, weil die Kartelle die Koka-Pflanze gentechnisch verändert haben. Die Ware werden sie auch los.“ Trotz der Erfolge bei Razzien!
Große Teile des Kokains kommen über den Seeweg nach Westafrika, Portugal oder Spanien. Größere Sicherstellungen gebe es nicht nur bei Kokain, sondern bei Ecstasy und Amphetaminen, so Graf. Im Freistaat Bayern kämen Drogen in unterschiedlicher Menge und Gewichtung vor. Die Landeshauptstadt München sei im Unterschied aber „eindeutig Kokain-dominiert“, das habe „fast schon Tradition“.THI