Die Ware wurde an der Drygalskiallee verkauft. © Brandt
123 Kilo Kokain stellte die Polizei in diesem Fall sicher – gemeinsam mit dem Zoll und Landeskriminalamt. © dpa
Vladimir F. wird ins Landgericht geführt. Er muss mindestens zehn Jahre ins Gefängnis. Laut Anklage war er Teil einer internationalen Drogenbande. © SIGI JANTZ
Er lacht, er scherzt – er ist gut drauf. Wer Vladimir F. (40) im Gerichtssaal beobachtet, könnte den Eindruck gewinnen, dieser Mann hat eine gute Zeit. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Kroate sitzt aktuell in Untersuchungshaft – und steht mit dem Rücken zur Wand. Denn die Staatsanwaltschaft München I hat Vladimir F. angeklagt, weil er insgesamt 123 Kilo Kokain gekauft hatte. Laut Anklage war er Teil einer internationalen Drogenbande und dort für Lieferung und Verkauf in Bayern zuständig, vorrangig in München. Seine Ware verkaufte er an der Drygalskiallee – mitten in Obersendling.
Lange Zeit hatte F. sich in Bosnien aufgehalten. Anfang Dezember 2025 war er dann aber spontan nach München eingereist – obwohl bereits nach ihm gefahndet wurde. Die Konsequenz: Ermittler spürten ihn auf – in der Kaufingerstraße kam es zur Festnahme. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei überwältigte den Autohändler, unmittelbar vor dem Augustiner-Stammhaus. Nun muss er sich vor dem Landgericht verantworten.
Staatsanwalt Jakob Schmidkonz hat die Ermittlungen geführt. Auf 17 Seiten listet seine Anklage ein ganzes Firmengeflecht an kriminellen Drogenhändlern auf. Sie hatten eine verschlüsselte Kommunikation für ihre illegalen Geschäfte genutzt, die aber geknackt werden konnte. So konnten im Oktober 2023 bereits elf Mitglieder festgenommen werden. Trotzdem kaufte die Bande Ende 2023 weitere 725 Kilo Kokain für 15,5 Millionen Euro.
Vladimir F. agierte laut Anklage als Disponent für den Verkauf nach Süddeutschland – „und hier insbesondere im Stadtgebiet München“, sagt Jakob Schmidkonz. Zu insgesamt sieben Gelegenheiten soll er kiloweise Kokain erhalten haben. Laut Verteidiger Jörg Sklebitz gebe es jedoch „keine Hinweise, dass der Angeklagte ein Bandenmitglied war“. Ist er eventuell nur ein Abnehmer? Und verkaufte die Drogen auf eigene Rechnung weiter? Dafür spreche, dass es „keinerlei Rückfluss von Geldern oder Gewinnen“ gebe, sagt Anwalt Sklebitz. „Es bleibt im Dunkeln, was mit den Erlösen geschehen sein soll.“ Doch hier geht es immerhin um rund 2,5 Millionen Euro…
Auch Richterin Susanne Blaschke stellte fest, dass die „Rolle des Angeklagten noch nicht genug beleuchtet“ sei. Vladimir F. äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Klar ist aber auch: Er pflegte enge Verbindungen zur professionellen Drogenszene und deren Akteure. Unterstützung erhielt er bei Geschäften etwa von Niko S., der laut Anklage als Läufer oder Kurier eingesetzt wurde. Der Münchner wurde spektakulär in Sendling festgenommen, nachdem er versucht hatte, einen Polizisten anzufahren. Später kam heraus: Unter falschem Namen kickte S. jahrelang in Haidhausen. Die Ermittlungen in seinem Fall sind noch nicht abgeschlossen. In den Chats, die aktuell ausgewertet werden, finden sich bei Niko S. aber auch Hinweise auf die Rolle von Vladimir F.
Mehr als vier Stunden nach Prozessbeginn stimmte er schließlich doch einer gerichtlichen Verständigung zu: Im Gegenzug für ein Geständnis wird F. eine maximal zu erwartende Strafe zwischen zehn und elf Jahren erhalten, erklärte die Richterin. Nach „Münchner Tarifen“ könne es bei 123 Kilo Kokain keine einstellige Knaststrafe geben, stellte Schmidkonz klar.ANDREAS THIEME