MÜNCHNER FREIHEIT

Angst vor der Mauer, die nicht hält?

von Redaktion

Sommer ist‘s, und wir genießen das Leben, sei es in bayerischen Seen oder radelnd im Englischen Garten oder im Isartal oder privilegiert am Mittelmeer oder an Nord- oder Ostsee. Kein Waldbrand, kein Zusammenbruch der Schifffahrt konnte uns einen Strich durch die Rechnung machen. Können wir nicht glücklich sein? Nein, denn da herrscht die Angst vor dem Herbst. Nicht vor der Kälte, sondern vor den Wahlen. Genauer: davor, dass der Funke überspringt, dort wo die Brandmauer schützen soll.

„Brandmauer“ ist jetzt auch der Titel eines Buches zu diesem Herbst. Herausgegeben von Stefan Aust und Rafael Seligmann (erschienen im Herder Verlag). Da ich auch einen Beitrag leisten durfte, habe ich es sofort gelesen, beim Lebensgenuss am Mittelmeer. Und sofort hat mich der Zorn übermannt, vor allem bei den Beiträgen von Sigmar Gabriel und Theo Waigel. Aber warum?

Weil sie so klar, überzeugend und selbstbewusst sind, dass man einfach nicht begreift, warum ihre Parteien all die letzten Jahre nicht genauso selbstbewusst und geschichtsbewusst argumentierten. Warum die sachlich harte Kontroverse mit der geschichtsvergessenen, anti-europäischen und tyrannenhörigen AfD ängstlich vermieden wird. Warum die SPD nicht wenigstens die 700 000 ehemaligen SPD-Wähler in der heutigen AfD-Wählerschaft für diskussionswürdig hält, sondern ALLE AfD-Wähler für geborene Faschisten, bei denen sich jeder Wortwechsel oder gar Gedankenaustausch verbietet.

Wohlgemerkt: Ich halte es für abwegig, eine Partei als Koalitionspartei zu wählen und an die Macht zu lassen, die ihrerseits alle demokratischen Parteien in den Boden stampfen will. Aber das ist kein Patentrezept, sondern ein verzweifelter Überlebenswunsch nach vielen vergeigten Jahren. An die Arbeit und in die Mitte!

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