Jetzt tragen die vier Damen auf dem Fahrgeschäft lange Unterhosen und Blusen.
Teufelsrad-Chefin Elisabeth Polaczy (kl. Foto) ließ die Puppen auf Wunsch der Stadt übermalen. Oben die alte Version. © Klaus Haag (2), privat
Diese vier Damen tragen Dirndl, Capri-Jeans, ein grünes Minikleid und ein gelbes Röckerl – und haben auf dem Teufelsrad eine Mordsgaudi. 80 Jahre lang war das so. 80 Jahre lang begrüßten die vier Pappmaché-Figuren die Wiesn-Gänger auf der Drehscheibe am Eingang vor dem Kult-Fahrgeschäft. Doch heuer ist das anders. Die Puppen sind zwar noch da – aber deutlich angezogener. „Drei Damen haben bei der Stadt Missmut erregt, weil sie zu freizügig waren“, sagt Elisabeth Polaczy. Die Teufelsrad-Betreiberin hat ihnen also Hosen und hochgeschlossene Blusen verpasst.
Begonnen hatte die Debatte im vergangenen Herbst, als die 80-Jährige die Bewerbung für die Wiesn 2026 abgegeben hat. Da gab die Landeshauptstadt der Schaustellerin ein Schreiben mit. Darin äußerte die Gleichstellungsstelle für Frauen Veränderungsvorschläge für „ein etwas vielfältigeres Teufelsrad“: Bei einigen Puppen sei der Ausschnitt zu tief und der Rock zu kurz. Zudem könnte man doch eine zum Mann machen, so die Idee. Bereits 2023 mussten an mehreren Fahrgeschäften auf der Wiesn Motive übermalt werden, die als rassistisch oder sexistisch galten.
Das Teufelsrad ist inzwischen aufgebaut, samt der Puppen mit neuem Anstrich. Die Trachtlerin und die Frau im Minikleid tragen jetzt weiße Blusen und lange Unterhosen. Die Dame im gelben Rock – sie stellt laut Polaczy eine Hawaiianerin dar – trägt nun ein Top unter der Blumenkette. „Außerdem mussten wir ihr Schuhe anziehen, weil es laut Gleichstellungsstelle diskriminierend wäre, sie barfuß darzustellen“, sagt Polaczy.
Die Chefin steht vorm Teufelsrad, schaut hoch und schüttelt den Kopf. „Mir wurde wegen 80 Jahre alter Puppen vorgeworfen, dass ich sexistisch bin.“ Frauen würden auf der Wiesn Ausschnitt tragen, daher seien die Puppen nicht sexistisch. „Am Anfang hatte ich Angst, dass ich nicht mehr auf die Wiesn darf, wenn ich nicht übermale“, sagt Polaczy. Sie holte mehrere Angebote ein. Eine Firma wollte 7500 Euro für die Umgestaltung. Dann hat sie über einen Bekannten einen Maler beauftragt. Die Rechnung hat sie noch nicht. „Ich will einfach nur Frieden und mein Geschäft gut machen.“
Polaczy ist ein Wiesn-Urgestein, aber keinesfalls von gestern. In Sachen „Upskirting“ – wenn Männer den Frauen auf dem Teufelsrad unter den Rock filmen – hat sie eine klare Haltung: Sie verschärfte deshalb vor zwei Jahren die Sicherheitsvorkehrungen, ließ Schilder und Kameras installieren und stellt seitdem Radlerhosen bereit. Die Zensur am Eingang aber gehe zu weit: „Es gibt wichtigere Dinge. Wir wollen den Leuten mit unserem Fahrgeschäft doch einfach nur eine Freude machen.“
Auf Nachfrage teilt das Wirtschaftsreferat mit, sich von der Gleichstellungsstelle für Frauen sowie der Demokratie-Fachstelle beraten zu lassen. Nach fachlicher Einordnung betroffener Darstellungen an Fahrgeschäften werde jeweils das konstruktive Gespräch gesucht: „Die Festleitung steht stets im Dialog mit den Beschickern, um praktikable Lösungen zu finden und gemeinsam an der Weiterentwicklung des Festes zu arbeiten.“ Im Falle des Teufelsrads erkenne man die „Bemühungen zur Umsetzung etwaiger Kritikpunkte in besonderem Maße an“.
Auch der Familie Schöniger von der Boandlkramerei auf der Oidn Wiesn hat die Stadt heuer auf die Finger geschaut: Man legte ihr nahe, das Theaterstück, das mehrmals täglich die Kurzversion vom „Brandner Kaspar“ zeigt, zu streichen. Grund laut Stadt: Es passt nicht ins Musikantenzelt. Der Brandner Kaspar, Petrus & Co. hatten den Wirt voriges Jahr bereits Punkte bei der Bewerbung gekostet. Jetzt sind sie Geschichte. Schöniger hat den Boandlkramer beerdigt.M. WANDINGER