Das Wahrzeichen am Teufelsrad-Eingang ist jetzt umgestaltet und so auf der Wiesn 2026 zu sehen. © Klaus Haag
Der Riesen-Wiesn-Wirbel ums Teufelsrad: Im Münchner Rathaus hat die Umgestaltungs-Anweisung der städtischen Gleichstellungsstelle für das Traditions-Fahrgeschäft durchaus zu heftigen Reaktionen geführt. Die CSU verlangt nun sogar, dass solche Anweisungen künftig zunächst vom Stadtrat genehmigt werden müssen.
Zur Vorgeschichte: Am Eingang des Teufelsrads stehen seit 80 Jahren vier Pappmaché-Figuren. Die waren der Stadt aber zu freizügig. Die Gleichstellungsstelle hat Betreiberin Elisabeth Polaczy aufgefordert, die Puppen umgestalten zu lassen: weniger Ausschnitt, längere Röcke. Polaczy sagte zu unserer Zeitung: „Mir wurde vorgeworfen, dass ich sexistisch bin.“
Wer die 80 Jahre alten Figuren am Teufelsrad plötzlich zum Problem erkläre, weil nackte Füße zu sehen sind oder eine Figur keine Radlerhose trägt, habe jedes Maß verloren, schimpft Münchens CSU-Chef Manuel Pretzl. Gegen Sexismus und Übergriffe müsse man freilich konsequent vorgehen – aber die Wiesn benötige keine städtische Sittenpolizei. „Wenn eine Pappmaché-Figur plötzlich eine Leggings und Schuhe tragen soll, weil sie sonst als zu freizügig oder kulturell problematisch gilt, dann ist das keine Gleichstellungspolitik mehr, sondern Bevormundung.“ Pretzl fordert: Bei Fragen, die das Erscheinungsbild, die Tradition und das kulturelle Selbstverständnis der Wiesn betreffen, dürfe die Verwaltung nicht eigenmächtig Fakten schaffen. „Solche Entscheidungen gehören frühzeitig in einen interfraktionellen Arbeitskreis.“
Ähnlich verärgert ist SPD-Stadtrat Roland Hefter. Er sagt, wer hinter diesen 80 Jahre alten Figuren etwas Sexistisches vermute, solle eher die eigene Wahrnehmung hinterfragen und notfalls einen Therapeuten aufsuchen. „Mit Emanzipation hat es jedenfalls nichts zu tun, einer Frau vorzuschreiben, sie müsse eine sichtbare weiße Unterhose unter dem Rock tragen oder dürfe nicht barfuß sein – dagegen würde sich jede selbstbewusste Frau zu Recht verwahren.“ Mit solchen Aktionen erweise man Gleichstellung und Emanzipation einen Bärendienst.
Gemäßigter reagiert Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne): „Ich hätte die Umgestaltung nicht angestoßen. Da es aber bei einzelnen Darstellungen Probleme mit den Kriterien gab, die ich für sinnvoll und richtig halte, ist es gut, darauf zu reagieren und die Figuren entsprechend anzupassen.“ Berger dankt Polaczy für die schnelle Umgestaltung der Figuren. „Ich hoffe, dass die Diskussion damit nun auch beendet ist.“ Das Teufelsrad sei eine Institution auf der Wiesn. Die Figuren auf dem Rad stünden für die Vielfalt der Menschheit und der Nationen, die dort gemeinsam Spaß haben. „Mir ist wichtig, dass diese Vielfalt weiterhin sichtbar bleibt, und das ist mit der Neugestaltung der Figuren der Fall.“
Wenig begeistert von der Puppen-Posse ist derweil der stellvertretende Direktor der Glyptothek und Antikensammlungen, Christian Gliwitzky. „Man muss alles immer im historischen Kontext sehen. Ist es richtig, die gegenwärtigen Maßstäbe da drüberzustülpen?“ Das könne richtig sein, falls es die Allgemeinheit diskriminiere und „keine Brücke mehr“ schlagen könne in unsere Gegenwart. Doch das sei hier nicht der Fall. Man stelle sich vor, die nackten Statuen in der Glyptothek wären plötzlich Thema der Behörden und müssten verhüllt werden …SASCHA KAROWSKI, MATTHIAS BIEBER