Immer wieder werden Parallelen zwischen dem Fußball und der Religion gezogen. Den Fans gilt das Stadion als Kathedrale, gemeinsam pilgern sie zum Fußballtempel. Doch in Untergiesing kam es vergangenes Frühjahr zur Kollision der Religionen, wie erst jetzt im Bezirksausschuss (BA) bekannt wurde. Fußballfans sollen sich wenig pietätvoll verhalten haben: Sie haben gegen die Kirche gepinkelt.
Das war passiert: Im April fanden tagsüber in der Pfarrei der Kirche St. Helena die Vorbereitungen für die im Juli anstehende Firmung statt. Um 17 Uhr sollte die Kirche für den frühabendlichen Pfarrgottesdienst geöffnet werden. Das Problem dabei: Im rund 250 Meter weit entfernten Grünwalder Stadion spielte der TSV 1860 München an diesem Samstag gegen Ulm. Und zahlreiche Fanbusse waren in der Fromundstraße rund um die Kirche St. Helena abgestellt.
Ein Kirchenvertreter schildert die Situation folgendermaßen: Vor und nach dem Spiel hätten Fans an die Fassade und in den Innenhof der Pfarrei uriniert, auch ein Kindergarten, eine Schule und eine Freizeiteinrichtung für Jugendliche seien betroffen gewesen. Temporäre Toilettenanlagen und Mülleimer seien nicht aufgestellt worden, auch seien die umliegenden Einrichtungen nicht informiert worden.
Nachdem die Kirche die Polizei informiert hatte, wurden Beamte zu den Bussen beordert. Dass die zahlreichen Fans weiter öffentlich ihre Notdurft verrichteten, hätten jedoch auch sie nicht verhindern können. Schlussendlich wurden Kirche und Pfarrheim abgeschlossen und der Innenhof der Pfarrei mit Absperrband abgeriegelt.
Auch wenn der Zugang zum Gottesdienst dank der abfahrenden Busse nicht beeinträchtigt wurde, möchten die Kirchenvertreter von St. Helena solche Situationen in Zukunft verhindern. Sie forderten den BA deshalb auf, zusammen mit der Polizei nach Lösungen zu suchen. Dazu sollen sich bei einem gemeinsamen Ortsbesuch alle Beteiligten austauschen, so der Beschluss des BA.SUP