Sendling, ahoi!

von Redaktion

Die Alte Utting hat ihren ganz eigenen Charme

Auf dem „Ende Gelände“ hinter dem Heck der Alten Utting finden oft Partys statt.

Kraftakt: Die MS Utting landet 2017 in München.

Daniel Hahn freut sich, dass seine Alte Utting zum Kult-Ort in Sendling geworden ist. © Oliver Bodmer (2), Achim Schmidt, privat

Auf einem Schiff die Abendsonne genießen und dabei den Blick über Münchens Dächer schweifen lassen. Wer dieses Bild schief findet, der war noch nicht auf der Alten Utting. Denn dort ist genau das möglich. Der ehemalige Ausflugsdampfer steht in Sendling auf einer nicht mehr genutzten Eisenbahnbrücke. Irgendwo zwischen Ausflugsziel und Event-Location ist die Alte Utting längst zum Kult geworden.

Das Schiff wurde 1950 auf der Deggendorfer Werft gebaut und war – obwohl es oft so bezeichnet wird – kein Dampfer im klassischen Sinne, sondern ein Motorboot. Im Mai 1950 ging die 36,4 Meter lange und 7,5 Meter breite MS Utting auf dem Ammersee in Betrieb und wurde dort bis zur Saison 2016 eingesetzt. Im folgenden Jahr wurde sie durch einen gleichnamigen, aber wesentlich größeren Neubau ersetzt.

Das alte Schiff sollte verschrottet werden, was Daniel Hahn und seine Mitstreiter vom Kulturverein Wannda auf den Plan rief. „Wir wollten dem Schiff ein neues Leben geben“, erzählt Hahn. Die Frage war nur: Wohin mit einem 144 Tonnen schweren Schiff? Die Lösung war so verrückt wie die Idee selbst: „Wir brachten es nach München und setzten es auf eine stillgelegte Eisenbahnbrücke in Sendling, die ebenfalls abgerissen werden sollte. So haben wir zwei Bauwerken, die eigentlich keine Zukunft mehr hatten, eine neue Aufgabe und Bedeutung gegeben.“

Nach dem herausfordernden Transport des tonnenschweren Motorboots begann der sich über eineinhalb Jahre hinziehende Um- und Ausbau zu einem Restaurantschiff mit Dachterrasse, Biergarten und Bar sowie – im ehemaligen Maschinenraum – einer Discothek. Die Taufe auf den Namen „Alte Utting“ erfolgte am 12. Juli 2018, zwei Wochen später fand die Eröffnung der neuen Sendlinger Gastronomie-, Kultur- und Freizeitattraktion statt.

Heute hat die Alte Utting täglich ab 16 Uhr geöffnet. Das Schiff bietet mehrere Restaurants beziehungsweise Theken, an denen ab 17 beziehungsweise 18 Uhr vorrangig vegane und westafrikanische Gerichte, Pizzas und Crêpes angeboten werden. Pommes sind beispielsweise für fünf Euro zu haben, Pizza ab neun Euro und Dal für zehn Euro. Bier und Limonaden gibt es ab fünf Euro.

Doch es sind nicht die moderaten Preise, die die Alte Utting zum Kult werden ließen, glaubt Hahn. „Für mich ist es vor allem die Kombination: Auf dem Deck oder in den gemütlichen Räumen sitzen, über München schauen und das Gefühl haben, irgendwo zwischen Hafen, Biergarten und Festival gelandet zu sein.“ Dazu kämen viele unterschiedliche Räume und die große Jurte im Biergarten, die im Winter mit echtem Holz beheizt wird. „Jeder Bereich hat seinen eigenen Charme.“

Abends gibt es häufig Live-Musik von unterschiedlichen Interpreten und Gruppen. An manchen Tagen findet ein Pub-Quiz statt, zu dem man sich (für fünf Euro) anmelden kann. Das bunte Programm sorgt für ein ebenso gemischtes Publikum, wie Hahn sagt: „Wie auf einem Schiff kommen bei uns ganz unterschiedliche Menschen zusammen: Anwohner und Touristen, Freundeskreise und Gäste verschiedener Veranstaltungen.“

Jeder, der nach München kommt, sollte auch mal die Alte Utting gesehen haben, meint Hahn. „Weil man in München kaum einen anderen Ort findet, an dem man auf einem alten Schiff mitten in der Stadt sitzen, über den Dächern von Sendling den Abend genießen und gleichzeitig ein Stück Münchner Geschichte erleben kann.“ Kult entstehe, wenn ein Ort seine eigene Geschichte und seinen eigenen Charakter entwickelt. „Genau das hat die Alte Utting geschafft.“WALTER KIEFL

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