Amadea Reiß nutzt das Wertstoffmobil.
Die Stadt stellt das Angebot „Wertstoffmobil“ ein. © Pohl (2), Jantz
Eine alte Elektro-Zahnbürste, ein ausgedientes Rührgerät, eine kaputte Saftpresse. Alles Dinge, die Amadea Reiß zum Wertstoffmobil bringt. Sie ist nicht die Einzige: Im Jahr 2025 gab es stadtweit knapp 27.000 Anlieferungen an die fahrbare Sammelstelle des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM). Zu wenig! Ende des Jahres stellt der AWM den beliebten Bürgerservice ein.
„Als ich das gehört habe, hat es mich vom Hocker gehauen! Das Wertstoffmobil ist so ein wichtiges Angebot. Viele Leute haben kein Auto, um zum Wertstoffhof zu fahren“, sagt die 25-Jährige, die in der Au wohnt. Jeden Donnerstag in geraden Wochen macht der kleine Laster um 8 Uhr morgens in der Welfenstraße Station. Es ist ein Standort von insgesamt knapp 50 Plätzen, die das Mobil auf einer Tour Ost und einer Tour West innerhalb von zwei Wochen anfährt. Vor allem an zentral gelegenen Plätzen wie dem Pariser Platz oder dem Hohenzollernplatz bilden sich oft lange Schlangen. Auch sehr viele ältere Leute nehmen den rollenden Service in Anspruch. Die verbleibenden Standorte und Termine für dieses Jahr sind unter awm-muenchen.de/abfall-entsorgen/abgabestellen/wertstoffmobil abrufbar.
2025 gab es insgesamt rund 26.990 Anlieferungen an das Wertstoffmobil, teilt eine AWM-Sprecherin auf Anfrage mit. Rund 23 je Standplatz und Termin. Es seien rund 118 Tonnen Wertstoffe abgegeben worden. Angenommen werden hauptsächlich Elektrokleingeräte, Kunststoffe, Metalle, Batterien, Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren in haushaltsüblichen Mengen. Das Sammelsurium wird dann zum jeweils nächstgelegenen Wertstoffhof gebracht. Die Sprecherin verweist auf die geringen Abgabemengen am Mobil. Diese entsprächen bei Metallen 0,6 Prozent und bei Elektroschrott 0,9 Prozent der jeweiligen Gesamtmengen, die jährlich an den städtischen Wertstoffhöfen erfasst würden. „Die Erfahrungen und Auswertungen haben gezeigt, dass das Angebot über einen längeren Zeitraum nur vergleichsweise wenig genutzt wurde.“ Sie betont, dass das Wertstoffmobil von Beginn an als Pilotprojekt konzipiert worden sei. Das war vor 15 Jahren: 2011 wurde das Mobil in Betrieb genommen.
Amadea Reiß befürchtet, dass falsche Müllentsorgung und wilde Ablagerungen im öffentlichen Raum nach der Einstellung des Angebots zunehmen könnten. „Elektrogeräte landen dann wahrscheinlich einfach oft im Müll – das kann doch auch nicht gewollt sein und entspricht so gar nicht dem Nachhaltigkeitsgedanken.“ Die AWM-Sprecherin betont, dass man die Entwicklung der Abfallmengen und der Nutzung seiner Entsorgungsangebote „weiterhin aufmerksam“ beobachten werde. Die sechs Beschäftigten des Wertstoffmobils würden nach Einstellung einen anderen Arbeitsplatz innerhalb des AWM erhalten.DANIELA POHL