Macheten-Bande vor Gericht

von Redaktion

Freimann: Prozess wegen versuchten Totschlags bei blutiger Straßenschlacht mit 30 Gewalttätern

In der Max-Bill-Straße eskalierte der Bandenkrieg.

Sind angeklagt: Hoger N. (vorne), Wihat N. (li.) und Kardo A. im Gericht, daneben Anwältin Ruth Beer. © JANTZ/Gaulke

Vermummte Männer im Wohngebiet, bewaffnet mit Messern und Macheten – gewaltbereit und polizeibekannt. Was sich am 19. August 2025 und den Wochen danach in Schwabing-Freimann abgespielt hat, sind Münchens dunkle Seiten. Auf offener Straße hatte sich dort ein blutiger Bandenkrieg abgespielt, der wohl nur mit viel Glück keine Todesopfer gefordert hat.

Am Landgericht München I beginnt nun die Aufarbeitung der Gewaltexzesse. Angeklagt sind dort drei Männer, die laut Staatsanwaltschaft einen versuchten Totschlag in der Max-Bill-Straße begangen haben sollen. Den Ermittlungen zufolge war es dort nach einem Streit zu einer Straßenschlacht gekommen, bei der Hoger N. (28) einen Mann mit einer Machete attackiert haben soll – die 40 Zentimeter lange Klinge schlug er seinem Opfer in die linke Seite. Der zweite Angeklagte, Wihat N. (22), soll mit einer ausklappbaren Sichel zugeschlagen haben: Die 17-Zentimeter-Klinge traf einen am Boden liegenden Verletzten noch. Kardo A. (23), ein Münchner, soll die beiden Iraker unterstützt haben. Mehrere Verletzte mussten nach der Massenschlägerei in Kliniken gebracht werden – die vorherigen Angriffe waren laut Staatsanwaltschaft potenziell lebensgefährlich. 30 Männer hatten sich im Münchner Norden gegenseitig attackiert.

Richterin Elisabeth Ehrl muss die Hintergründe dieser Gewaltspirale nun aufklären. Doch der Start war holprig: Macheten-Mann Hoger N. fühlte sich „nicht ausreichend gut vorbereitet“, sagte seine Anwältin Ricarda Lang – seine Aussage wolle der Iraker „lieber später machen“. Ein Affront! Denn die Verzögerung zieht Kreise: Wihat N. wolle „natürlich erst die Aussage des Hauptangeklagten abwarten“, sagte Verteidiger Nico Werning. Alle anderen Prozesstage sind schon mit Zeugen und Gutachtern verplant.

Immerhin: Kardo A. sagte aus, der von Ruth Beer vertreten wird. Demnach waren die drei zu „einem Friedensgespräch“ nach Freimann gefahren – um einen vorherigen Konflikt „zu klären“, wie N. erläutert. Dafür packten sie Macheten, Messer und die Sichel in den Kofferraum. Angeblich „zum Selbstschutz“, sagte Kardo A. – sie selbst seien „in eine Falle gelaufen“. Aufgebracht erzählte er von „den Hasenberglern“, die in der Überzahl waren – maskiert, bewaffnet und „voller Stolz“. Im Viertel „weiß man, zu was die fähig sind. Da sind schon viele angestochen worden. Ich bin um mein Leben gelaufen.“ Hoger N. wurde aber angegriffen – er und Wihat N. hätten sich nur „verteidigt“.

Wenige Tage später durchsuchte die Münchner Polizei mehrere Wohnungen in der Max-Bill-Straße. Als Beamte des Spezialkommandos von einem Iraker attackiert wurden, mussten sie sogar Schüsse abfeuern. Auch dieser Fall wird noch untersucht.ANDREAS THIEME

Artikel 3 von 9