Der Boykott der Schausteller

von Redaktion

Teufelsrad-Zoff: Verband verzichtet auf Wiesn-Rundgang der Stadt

Beim Wiesn-Rundgang (hier 2025) herrscht großer Presserummel. © Schmidt

Das Wahrzeichen am Teufelsrad-Eingang ist jetzt umgestaltet und so auf der Wiesn 2026 zu sehen. © Klaus Haag

Zwei Tage vor dem Start des Oktoberfests lädt die Stadt München traditionell zu einer prestigeträchtigen Veranstaltung ein: dem Wiesn-Rundgang. An jenem Donnerstag rollen Kamerateams aus ganz Deutschland an. Alle wollen die Neuheiten filmen, die der Oberbürgermeister und der Wiesn-Chef vorstellen. Der Rundgang ist auch Bühne der Schausteller: Karussells drehen erste Runden. Trotzdem gibt der Bundesverband der Schausteller und Marktkaufleute (BSM) dem Event einen Korb. Wegen der „Bevormundung“, die die Branche zuletzt erfahren habe.

Gemeint ist der Umstand, dass das Teufelsrad umgestaltet wurde (wir berichteten). Und auch, dass die Stadt andere Schausteller aufgefordert hat, Dinge zu verändern. Das Fahrgeschäft Happy Sailor – 2025 Star des Rundgangs – etwa legt einer barbusigen Meerjungfrau jetzt einen Muschel-BH an und verpasst dem „schlitzäugigen“ Meeresgott ein Make-over.

„Angesichts des Übergriffs wegen angeblich rassistischer Stereotype auf der Fassade des Traditionsfahrgeschäfts Teufelsrad sagen wir unsere Teilnahme ab“, teilt der BSM der Stadt per Brief. Den Schaustellern stoßen die „Ratschläge zur freiwilligen Umsetzung“ seitens der Gleichstellungsstelle sauer auf. „Dieses Vorgehen reiht sich nahtlos in Zensurmaßnahmen anderer Städte ein“, so der BSM weiter. Der Boykott des Rundgangs soll Zeichen sein: „Die Schausteller wehren sich gegen Zensur“, steht im Schreiben. „Die Gestaltung der Betriebsstätte ist Kernkompetenz des Unternehmers als Träger des wirtschaftlichen Risikos.“ Niemand wisse besser, was Besuchern gefalle, als der Beschicker selbst.

Eingeladen hatte die Stadt den Verband mit Sitz in Bonn, weil er sich für die Aufnahme der „Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland“ ins immaterielle Kulturerbe der Unesco eingesetzt hatte. Seit April ist der Traum Realität – zur Freude der 5600 Schaustellerfamilien. Die Absage – laut BSM wegen der „Zwangspinselei“ – sitzt also.

Die Stadt teilt mit: „Wir nehmen den Brief des Bundesverbands der Schausteller und Marktkaufleute zur Kenntnis und bedauern die Absage. Gerade ein so kontrovers diskutiertes Thema lebt vom Austausch und von Kompromissen.“

Der Verein der Münchner Schausteller, dem Top-Spin-Betreiber Peter Bausch vorsitzt, geht nicht im BSM sondern im Deutschen Schaustellerbund auf. „Beide Verbände vertreten die gleichen Interessen, sind aber nicht immer einer Meinung“, sagt Bausch. Die Absage diene der Sache nicht, er selbst nehme den Rundgang als „Heimatveranstaltung“ wahr. „Wir müssen offen die Diskussion suchen: Kunst ist Kunst – die Gleichstellungsstelle ist zuletzt übers Ziel hinausgeschossen. Als Schausteller ist offenbar niemand mehr vor solch übertriebener Kritik gefeit.“SCO/RMI

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