Neulich ist es wieder passiert. Oder genauer: Sie hat mich mit ihrer ganz besonderen, milden Wärme umhüllt. Nein, keine Flauschdecke, auch kein sauteures Kaschmirplaid, sondern eines der besten Phänomene auf unserer buckligen Welt: die Freundlichkeit. Manchmal vermisse ich sie so sehr, bin von ihr quasi derart entwöhnt, dass ich gar nicht mehr mit ihr rechne, eher mit dem Gegenteil. Als eine Frau mir vor ein paar Tagen etwas zuruft, schrecke ich auf – gefasst auf irgendeine Beleidigung (alles schon erlebt …). Aber die weißhaarige Dame lobt lauthals mein grünes T-Shirt und lacht mich an. „Da ist Ihnen Gras auf dem Rücken und der Brust gewachsen!“, scherzt sie. Ich freue mich narrisch und bedanke mich.
Professionelle Höflichkeit erwartet man, wenn man in einen Laden geht oder auf eine Dienstleistung angewiesen ist. Muffeligkeit würde einen trotzdem nicht wundern, nicht mal Ungeduld und ein sauberer Grant. Wenn mir freilich eine herzliche Freundlichkeit entgegengebracht wird, schwebe ich vor Wohlbehagen mindestens 30 Zentimeter überm Boden. Ich zehre lange davon und erzähle allen Leuten – wie jetzt auch Ihnen! – von meinem Beglücktsein. Wieder eine Alltagssituation: Ich hatte beim Münchner Abfallwirtschaftsbetrieb ein Sperrmüll-Team bestellt. Ein kaputter Schrank musste weg und diverses Zeug aus dem Keller geschafft werden. Schwere Arbeit also für die AWM-Männer, die mir jedoch so viel Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und umsichtiges Arbeiten „schenkten“, dass ich wirklich begeistert war. Und da darfst du kein Trinkgeld geben! Die Stadt sieht das als Bestechung an: Oh mei!
Ein ebenso schönes Erlebnis hatte ich in einem Geschäft. Ich war auf der Suche nach einem eben nicht Regen-, sondern Sonnenschirm, der lichtundurchlässig bespannt sein musste. Er sollte unbedingt Schatten spenden und UV-Strahlung abhalten. Die erste hilfreiche Information kam von einem Golfspieler (großer, schwerer Parasol), dann von einer Mama mit Baby (handlicher, leichter Parasol) und schließlich von einer Freundin. Sie schickte mich zum Schirm-Café im Rathaus. Ich war zunächst skeptisch, ob dort wirklich so etwas Spezielles zu finden sei. Aaaber ich wurde mit solch einer Freundlichkeit von einem echten Münchner und seiner Frau bedient, bestensinformiert und mit einem UV-Schirm und einem Cappuccino versorgt, sodass ich mehr als zufrieden heimfuhr. Derart fröhlich bist du halt niemals, wenn du online kaufst!