Aus der Baum!

von Redaktion

Viktualienmarkt: Feuerwehr baut weiß-blaues Prachtstangerl ab

Später lag der Baum in der Gasse neben dem Biergarten (li.). Dort wurden dann Halterungen und Tafeln entfernt (re.). © Markus Götzfried (5)

Feuerwehrleute zersägten auf einer Drehleiter den Maibaum (re. o.). Später zerteilten sie den Stamm in mehrere Teile (re. u.).

Dieses Schauspiel ist nur alle paar Jahre zu sehen. Und so mancher musste gestern am Viktualienmarkt bestimmt auch zweimal hinschauen, als am Vormittag die Spitze des Maibaums frei in der Luft pendelte. Die Feuerwehr baute nämlich den Baumstamm ab. Denn nächstes Jahr wird ein neuer Maibaum aufgestellt. Aus der Baum!

Der Zeitpunkt für den Abbau ist nicht willkürlich gewählt. Der Verein der Münchner Brauereien, der für den Maibaum zuständig ist, bekam vom TÜV die Nachricht, dass der Baum jetzt fällig ist. Denn: Der Maibaum muss vor den Herbststürmen weg.

Die Feuerwehr fuhr groß auf: Um 8 Uhr in der Früh standen drei Einsatzfahrzeuge auf dem Viktualienmarkt – mit Drehleiter und großem Kran. Eigentlich sind um die Uhrzeit nur die Standlleute im Einsatz. Bevor jedoch die Feuerwehr nun dem Baum an die Rinde gehen konnte, mussten die Schlosser Daniel Hatwig und Robert Dornauer große Schrauben an der Baumhalterung entfernen.

Gegen 8.45 Uhr wird es ernst. Die Drehleiter fährt nach oben, zwei Feuerwehrmänner sichern die blau-weiß bemalte Fichte. Dann setzen sie kurz unterhalb der Figuren des Heiligen Bonifaz und des Heiligen Florian die Kettensäge an. Die Holzspäne fliegen durch die Luft. Und kurz darauf ist es so weit: Die Spitze des Maibaums pendelt über München. Langsam lässt die Feuerwehr den Baumstamm nach unten und setzt ihn in der Gasse neben dem Biergarten ab. Bonifaz und Florian sind immer noch fest am Maibaum angebracht.

Erst jetzt zeigt sich die Dimension der Figuren. Sie sind zu schwer, um sie in der Luft abzuschrauben. Als Julian Heine und seinen Mitarbeiter sie aufstellen, sind sie fast so groß wie die beiden Männer. Heine gehört zur Werbeagentur Krause und ist für die Tafeln am Baum zuständig. „Wir haben auch vor zwei Jahren den neuen Kranz gebracht“, erzählt er.

Derweil hebt die Feuerwehr den Stamm aus der Halterung. Dort war er über vier Jahre verankert. Dann beginnt die Millimeterarbeit, denn der Baum muss samt Tafeln in die Gasse passen. Langsam sinkt er nach unten. Nach einer halben Stunde, um 10.15 Uhr, liegt der gesamte Stamm am Boden. Sofort schrauben die Schlosser weiter und entfernen alle Ausleger samt Tafeln. „Die Ausleger sind nicht nur an die Figuren, sondern vor allem an den Baum angepasst“, sagt Hatwig. Jeder Baum ist anders, die Halterungen müssen also jedes Mal neu justiert werden. Zum Schluss wird der Stamm in mehrere Stücke zersägt.

Mit etwas Glück können Münchner einen Teil des Maibaums am 9. Mai ersteigern. An diesem Tag wird nämlich der neue Maibaum aufgestellt. Der Erlös der Aktion kommt einer gemeinnützigen Organisation zugute. Zuvor müssen die Brauereien aber erst prüfen, ob der alte Stamm von Pilzen oder Schimmel befallen ist.MARIE-THERES WANDINGER

Artikel 2 von 11