MÜNCHNER FREIHEIT

Date Night mit Katastrophen

von Redaktion

Mein Mann und ich hatten eine Date Night. Also eine richtige. Mit Reservierung, Abendessen und der seltenen Hoffnung, einen Abend zu verbringen, an dem niemand „Mamaaa“ ruft oder plötzlich dringend noch ein Geodreieck braucht.

Zumindest war das der Plan. Vor Ort stellte sich heraus: Unsere Reservierung existierte ebenso wenig wie bezahlbarer Wohnraum in München. „Da ist wohl etwas schiefgelaufen“, sagte die Bedienung mit der Gelassenheit eines Menschen, der innerlich vermutlich schon vor Jahren aufgegeben hat.

Wir warteten 20 Minuten zwischen Jackenständer und Stammtisch, während um uns herum Menschen saßen, die aussahen, als würden sie seit 1987 jeden Donnerstag in exakt dieser Wirtschaft verbringen. Irgendwann bekamen wir doch noch einen Tisch. Direkt neben einem Trompetenorchester. Nicht metaphorisch. Ein echtes Trompetenorchester. In einer Wirtschaft. Und niemand außer uns schien das bemerkenswert zu finden. Im Gegenteil. Das Publikum war begeistert.

Ein älterer Herr prostete uns irgendwann fröhlich zu, als wären wir Teil einer Familienfeier oder zumindest kurzfristig in den Musikverein eingetreten. Neben uns wippte eine Frau jede zweite Melodie mit einer Hingabe mit, als säße Chris Martin persönlich auf der Bühne. Mein Mann und ich saßen einfach da und aßen Schnitzel zu Blasmusik. Irgendwann hört man auf, sich gegen sein Schicksal zu wehren. Man nimmt es hin. Wie Baustellen am Mittleren Ring oder die Tatsache, dass in München jede zweite Straße entweder gesperrt oder plötzlich eine Fahrradstraße ist.

Kurz nach Mitternacht fuhren wir nach Hause. Müde. Leicht tinnitusgefährdet. Nach mehreren Stunden Blasmusik redet man irgendwann auch nicht mehr viel. Man existiert nur noch. Wie immer nahmen wir die kleine Abkürzung. Plötzlich stand mitten auf der Straße ein junger Mann mit Fahrrad und hielt uns an. Wir erschraken sofort. Braucht er Hilfe? War etwas passiert? Der junge Mann räusperte sich kurz und sagte mit der Autorität eines 16-jährigen Park-Sheriffs: „Sie wissen schon, dass das eine Privatstraße ist?“ Kurze Stille. Dann fuhr mein Mann wortlos das Fenster wieder hoch. Wir sahen uns an. Und fingen plötzlich so laut an zu lachen, dass wir wahrscheinlich mehr Menschen aufweckten als mit dem kurzen Durchfahren der Privatstraße selbst.

Im Nachhinein war der Abend eigentlich perfekt. Nicht trotz der Katastrophen. Sondern genau wegen ihnen.

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