In diesem Gebiet zirkulieren die Test-Robo-Taxis zunächst bis 2027 auf festgelegten Strecken. Danach wird die Software erprobt.
Matthias Erb von der IAV und Sinaida Cordes von den Stadtwerken mit einem der drei autonomen Busse. © MVG
Einfach per App ein Robo-Taxi rufen und damit zum gewünschten Ziel fahren – so sieht eine der beliebtesten Zukunftsvisionen für den öffentlichen Nahverkehr aus. Die Stadtwerke (SWM) und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) machen jetzt Ernst: Sie haben drei autonom gesteuerte Fahrzeuge in eine erste Testphase geschickt. Das Ziel: fahrerlose On-demand-Busse auf die Straße bringen. „On-demand“ bedeutet: Die Busse kommen dann, wenn der Fahrgast das Fahrzeug bestellt.
Seit gestern fahren die drei Autos vom Modell VW ID. Buzz – mit Sensoren und Software ausgestattet von der Ingenieurgesellschaft für Auto und Verkehr (IAV) – durch Gern. Die Gefährte wurden bisher auf dem MVG-Betriebsgelände ausprobiert und dürfen jetzt zum ersten Mal im Straßenverkehr fahren. Aber zunächst „ohne Fahrgäste und mit Sicherheitsfahrpersonal“, so die MVG. „Während des gesamten Testbetriebs ist Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das den Betrieb überwacht und jederzeit eingreifen kann.“
Die Fahrzeuge können ihre Umgebung wahrnehmen, Verkehrssituationen analysieren und entlang definierter Routen autonom fahren. In der ersten Phase konzentriere sich der Test auf die „sichere und stabile Inbetriebnahme des autonomen Fahrsystems im öffentlichen Straßenraum“, heißt es. Die Fahrzeuge sind auf festgelegten Strecken unterwegs, sammeln Daten zum Fahrverhalten, ihrem Umfeld und Begegnungen mit anderen Verkehrsteilnehmern.
Das Projekt wird vom Bundesverkehrsministerium mit 13 Millionen Euro gefördert. „Es testet erstmals autonome On-demand-Fahrzeuge im öffentlichen Straßenraum und schafft damit wichtige Grundlagen für ähnliche Vorhaben in Deutschland“, lobt Bundesstaatssekretär Christian Hirte.
Läuft im ersten Testgang bis Mitte 2027 alles gut, wird in einer zweiten Phase die Software ausprobiert – also die Fähigkeit der drei Busse, tatsächlich nach Fahrgastwunsch individuelle Strecken zu absolvieren. In der letzten Phase dürfen dann schließlich echte Münchner mitfahren, um das neue Angebot zu testen. Wer das sein wird? Vielleicht Sie, unsere Leser! Freiwillige Probefahrgäste können sich ab sofort im Internet unter mvg.de/minga-anmeldung beim Forschungsprojekt Minga bewerben, in dessen Rahmen die Tests stattfinden.
Wann ausgewählte Personen zur Testfahrt dürfen, lässt sich noch nicht sagen. Bis dahin können die Münchner die drei Prototypen der Robotaxis bestaunen, erst in Gern, dann auf einem weiter gefassten Gebiet. „Die Fahrzeuge sind im öffentlichen Straßenraum als Forschungsfahrzeuge erkennbar. Sie fahren vorausschauend und defensiv“, erklärt die MVG. Da es vereinzelt „zu ungewohnten, aber stets kontrollierten Fahr- oder Bremsmanövern“ kommen könnte, sei es sinnvoll, einen Sicherheitsabstand zu halten.ISABEL WINKLBAUER